Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der weitverbreiteten Annahme ist eine E-Nummer oder ABE keine Garantie für die Legalität eines Umbaus.

  • Die Zulässigkeit eines Teils erlischt oft erst durch die falsche Kombination mit anderen Komponenten (z. B. Zubehör-Auspuff an Zubehör-Krümmer).
  • Korrekt montierte Teile wie Blinker oder Kennzeichenhalter können durch Nichteinhaltung exakter Abstände oder Winkel zu hohen Bußgeldern führen.

Empfehlung: Denken Sie wie ein Prüfer. Beurteilen Sie nie nur das Einzelteil, sondern immer das gesamte Fahrzeug als System, um teure „Grauzonen-Fallen“ zu umgehen.

Der letzte Handgriff sitzt. Das Motorrad steht da, genau wie Sie es sich erträumt haben: individueller, lauter, schöner. Ein echtes Unikat. Der Stolz ist riesig, doch beim Gedanken an die nächste Polizeikontrolle oder den fälligen TÜV-Termin mischt sich ein flaues Gefühl in die Freude. Als Individualist, der sein Bike liebt, kennen Sie diese Angst vor den strengen deutschen Vorschriften. Sie haben sich informiert, Teile mit E-Nummer oder ABE gekauft und alles nach bestem Wissen und Gewissen verbaut. Jeder in der Szene kennt die Schlagworte: ABE, E-Nummer, Teilegutachten. Man wiegt sich in Sicherheit.

Doch hier liegt die größte und teuerste Falle, in die fast jeder Schrauber einmal tappt. Die wahre Herausforderung sind nicht die Teile ohne Papiere – deren Illegalität ist offensichtlich. Die wirkliche Gefahr lauert in den Grauzonen, den tückischen Details, die ein vermeintlich legales Bauteil plötzlich zum Grund für eine Stilllegung machen. Was passiert, wenn ein Auspuff trotz E-Nummer seine Zulassung verliert? Oder wenn ein korrekt montierter Blinker wegen 2 cm zu wenig Abstand die Weiterfahrt unmöglich macht? Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Dieser Leitfaden ist anders. Er wiederholt nicht die Grundlagen, die Sie ohnehin kennen. Aus der Perspektive eines Prüfingenieurs mit Herz für Bastler zeige ich Ihnen die häufigsten und kostspieligsten Fehlerquellen, die in keiner Anleitung stehen. Wir tauchen tief in die „Wenn-dann“-Szenarien ein, die Prüfer und Polizei im Blick haben. Es geht darum, die Prüferperspektive zu verinnerlichen und zu verstehen, warum nicht das Einzelteil, sondern immer das Gesamtsystem „Motorrad“ zählt. So verwandeln Sie die Angst vor der nächsten Kontrolle in die souveräne Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben.

Um Ihnen eine klare Übersicht über die kritischsten Umbau-Themen zu geben, gliedert sich dieser Artikel in praxisnahe Abschnitte. Jeder Teil beleuchtet eine spezifische Falle, die Sie kennen müssen, um Ihr Custombike sicher und legal auf der Straße zu bewegen.

Lautstärke ist nicht alles: Wann verliert Ihr Auspuff trotz E-Nummer die Zulassung?

Die E-Nummer auf dem neuen Endschalldämpfer fühlt sich an wie ein Freifahrtschein. Doch aus Prüfersicht ist sie nur der Anfang der Geschichte. Ein häufiger Irrtum ist, dass diese Nummer den Auspuff unter allen Umständen legalisiert. Die Zulassung gilt jedoch oft nur für ein unverändertes Serienmotorrad. Die größte Falle ist hier die „Kombinationsprüfung“. Verändern Sie ein anderes systemrelevantes Teil, wie den Krümmer oder den Luftfilter, kann die Betriebserlaubnis der gesamten Abgasanlage erlöschen – trotz E-Nummer. Der Grund: Die Geräusch- und Abgaswerte wurden nur in der Originalkonfiguration geprüft und genehmigt.

Praxisfall: Die Kombinationsfalle

Ein Motorradfahrer montiert einen Endschalldämpfer mit gültiger E-Nummer. Da dieser aber nur in Kombination mit dem originalen Krümmer geprüft wurde, verliert das gesamte System durch den nachträglich montierten Zubehörkrümmer seine Zulassung – auch wenn dieser ebenfalls eine E-Nummer hat. Die Folge: Stilllegung bei einer Polizeikontrolle trotz vermeintlich legaler Teile. Dieser Fall verdeutlicht, dass die Genehmigung eines Teils immer im Kontext des gesamten Fahrzeugs zu sehen ist.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der dB-Killer. Ist er entfernt oder manipuliert, erlischt die Betriebserlaubnis sofort. Das Fahren ohne oder mit einem modifizierten dB-Eater ist kein Kavaliersdelikt; es kostet laut aktuellem Bußgeldkatalog 90 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Die Polizei ist hier besonders geschult und erkennt Manipulationen oft auf den ersten Blick. Um sicherzugehen, dass Ihr Bike die gesetzlichen Geräuschgrenzwerte einhält, können Sie selbst eine orientierende Messung durchführen.

Ihr Plan zur Standgeräusch-Kontrolle

  1. Vorbereitung: Motorrad auf ebenem Untergrund abstellen und den Motor auf Betriebstemperatur bringen.
  2. Positionierung: Messmikrofon im 45-Grad-Winkel in genau 50 cm Abstand zur Auspuffmündung positionieren.
  3. Drehzahl einstellen: Die im Fahrzeugschein angegebene Messdrehzahl einstellen (meist die halbe Nenndrehzahl).
  4. Messung durchführen: Der gemessene Wert darf den im Fahrzeugschein eingetragenen Wert plus eine Toleranz von 5 dB(A) nicht überschreiten.
  5. Maßnahmen ergreifen: Bei einer Überschreitung ist es oft sinnvoll, die Dämmwolle im Schalldämpfer zu erneuern oder im schlimmsten Fall den Auspuff auszutauschen.

Heck kürzen ohne Schweißen: Was ist ohne Festigkeitsgutachten überhaupt erlaubt?

Ein kurzes, knackiges Heck gehört zu den beliebtesten Umbauten für einen cleanen Look. Doch hier greift der TÜV besonders hart durch, denn das Rahmenheck ist ein tragendes Bauteil. Die entscheidende Frage, die sich jeder Prüfer stellt, lautet: Ist die strukturelle Integrität des Rahmens noch gewährleistet? Flexen und Schweißen am Hauptrahmen ist ohne ein extrem teures und aufwendiges Festigkeitsgutachten und eine Einzelabnahme nach §21 StVZO quasi unmöglich und führt fast immer zur sofortigen Stilllegung.

Die legale und deutlich einfachere Alternative sind Motorräder mit einem geschraubten Heckrahmen (oft als „Rahmenhilfskonstruktion“ bezeichnet). Hier kann der originale Heckrahmen einfach demontiert und durch ein kürzeres Zubehörteil mit Teilegutachten oder ABE ersetzt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Festigkeit wurde vom Hersteller des Zubehörteils bereits nachgewiesen, was die Eintragung zu einer reinen Formsache macht. Der Umbau bleibt zudem reversibel.

Dieser technische Unterschied hat erhebliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen, die jeder Schrauber kennen sollte, bevor er zur Säge greift. Die folgende Übersicht zeigt die Optionen klar auf.

Detailaufnahme eines Motorradheckumbaus mit sichtbarem Unterschied zwischen Original und Umbau

Wie das Bild zeigt, ist die saubere Integration eines geschraubten Umbaukits der Schlüssel zu einem professionellen und legalen Ergebnis. Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede für Ihre Planung zusammen.

Geschraubte vs. geschweißte Heckrahmen – Rechtliche Unterschiede
Rahmentyp Umbaumöglichkeit Erforderliche Dokumente Kosten
Geschraubter Heckrahmen (z.B. BMW R nineT) Einfacher Austausch möglich Teilegutachten oder ABE ca. 50-150€ Eintragung
Geschweißter Hauptrahmen Schweißarbeiten nötig Einzelabnahme nach §21 StVZO 350€+ (inkl. Festigkeitsgutachten)
Plug & Play Kits (z.B. Wunderkind) Werkzeugloser Umbau Mitgeliefertes Teilegutachten Nur Kaufpreis + evtl. Eintragung

Lenkerendenblinker richtig montieren: Welche Abstände misst die Polizei nach?

Lenkerendenblinker sind ein Stil-Statement, doch ihre Montage ist eine Wissenschaft für sich. Eine E-Nummer allein (erkennbar an der Kennzeichnung „11“ für vordere Blinker) reicht nicht aus. Die Polizei und der TÜV achten penibel auf die gesetzlich vorgeschriebenen Anbaumaße. Werden diese nicht eingehalten, gilt der Umbau als Mangel, der zur Untersagung der Weiterfahrt führen kann. Die entscheidenden Maße sind die Mindestabstände zwischen den leuchtenden Flächen der Blinker.

Die Vorschriften sind hier eindeutig: Gemäß ECE R 53 Regelung gilt für vordere Fahrtrichtungsanzeiger ein Mindestabstand von 240 mm zwischen den leuchtenden Flächen. Hinten sind es mindestens 180 mm. Bei Lenkerendenblinkern wird dieser Wert oft nur knapp erreicht oder sogar unterschritten, insbesondere bei schmalen Lenkern. Es ist daher unerlässlich, vor dem Kauf des Lenkers und der Blinker nachzumessen. Ein zu kurzer Lenker macht die legalen Blinker automatisch illegal.

Weitere häufige Fehlerquellen sind:

  • Falsche Kennzeichnung: Ein Blinker mit der Kennzeichnung „12“ (hinten) darf nicht vorne montiert werden und umgekehrt.
  • Zusätzliche Blinker: Die Anzahl der Blinker ist festgelegt. Werden Lenkerendenblinker montiert, müssen die originalen vorderen Blinker demontiert und ihre Funktion deaktiviert werden.
  • Sichtbarkeit: Ein breiter Tankrucksack oder die Hände des Fahrers dürfen die Blinker aus einem bestimmten Winkel nicht verdecken. Die Sichtbarkeit muss jederzeit gewährleistet sein.

Der 30-Grad-Winkel: Warum ein zu steiles Kennzeichen sofort 90 € Bußgeld kostet?

Ein seitlicher Kennzeichenhalter oder ein steil angestelltes Kennzeichen am Heck – beides beliebte Modifikationen, die jedoch schnell ins Auge der Ordnungshüter fallen. Hier geht es nicht um Geschmack, sondern um knallharte Vorschriften zur Lesbarkeit des Kennzeichens. Der entscheidende Wert ist der Neigungswinkel. Das Kennzeichen darf von der Senkrechten aus gemessen maximal 30 Grad nach hinten geneigt sein. Ist der Winkel steiler, gilt das Kennzeichen als nicht mehr einwandfrei lesbar, was als erheblicher Mangel eingestuft wird.

Nahaufnahme einer Winkelmessung am Motorradkennzeichen

Die Konsequenzen sind gravierend und gestaffelt. Eine leichte Überschreitung kann mit einem Verwarngeld geahndet werden. Doch die Grauzone zur Straftat ist schmal. Ein extrem steiler Winkel kann von Gerichten als vorsätzlicher Kennzeichenmissbrauch nach §22 StVG gewertet werden – und das ist eine Straftat.

Praxisfall: Die Eskalationsspirale beim Kennzeichenwinkel

Ein Motorradfahrer wird mit einem Kennzeichen im 45-Grad-Winkel kontrolliert. Was als Ordnungswidrigkeit beginnt, wird von den Beamten als Verdacht auf Kennzeichenmissbrauch zur Anzeige gebracht. Obwohl das Verfahren später eingestellt wurde, weil die Messmethode der Polizei vor Ort (ohne geeichtes Gerät, auf dem Seitenständer) angezweifelt werden konnte, zeigt der Fall die Gefahr: Aus einem kleinen Umbaufehler kann schnell ein Strafverfahren werden. Gerichte haben bei Winkeln ab ca. 60 Grad bereits Freiheitsstrafen verhängt.

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie folgende Punkte penibel prüfen:

  • Neigungswinkel: Maximal 30° von der Senkrechten nach hinten.
  • Sichtbarkeit: Das Kennzeichen muss aus einem seitlichen Winkel von 30° von beiden Seiten noch lesbar sein.
  • Montagehöhe: Die Unterkante des Kennzeichens muss mindestens 20 cm über der Fahrbahn liegen.
  • Scharfe Kanten: Der Kennzeichenhalter darf keine scharfen Kanten aufweisen, an denen sich andere Verkehrsteilnehmer verletzen könnten.
  • Beleuchtung: Eine funktionierende, geprüfte Kennzeichenleuchte ist Pflicht.

Offene Luftfilter eintragen: Warum scheitern 90% der Umbauten an der Abgasuntersuchung?

Offene Luftfilter, direkt am Vergaser oder an der Drosselklappe montiert, versprechen einen kernigen Ansaugsound und eine coole Optik. Doch für TÜV-Prüfer sind sie ein rotes Tuch. Das Problem ist dreifach: Leistungsänderung, Abgasverhalten und Geräuschentwicklung. Ein offener Luftfilter verändert das Gemischverhältnis massiv. Ohne eine Neuabstimmung der Einspritzung oder der Vergaser läuft der Motor zu mager, was zu Überhitzung und im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden führen kann. Gleichzeitig steigen die Abgaswerte oft dramatisch an, was eine bestandene Abgasuntersuchung (AU) unmöglich macht.

Der zweite K.o.-Faktor ist das Ansauggeräusch. Ein offener Filter erhöht die Gesamtlautstärke des Motorrads erheblich. Selbst wenn der Auspuff leise ist, kann das zusätzliche Ansauggeräusch dazu führen, dass die gesetzlichen Grenzwerte bei einer Fahrgeräuschmessung überschritten werden. Eine Eintragung erfordert daher fast immer eine teure Einzelabnahme nach §21 StVZO, die eine Abgas- und eine Geräuschmessung umfasst. Die Kosten hierfür sind hoch: Nach Angaben der Prüforganisationen liegen die Kosten für eine solche Komplettabnahme schnell bei über 350 Euro – mit ungewissem Ausgang.

Wer auf eine verbesserte Luftzufuhr nicht verzichten, aber den teuren und unsicheren Weg der Einzelabnahme vermeiden möchte, hat legale Alternativen. Diese bieten zwar nicht die radikale Optik, sind aber technisch und rechtlich unproblematisch.

Legale Luftfilter-Alternativen im Vergleich
Filtertyp Einbauort Zulassung Leistungsänderung Geräuschänderung
K&N Austauschfilter Original Luftfilterkasten Meist ohne Eintragung Minimal (+1-2%) Keine
DNA Filter Original Luftfilterkasten Je nach Modell Minimal Keine
Offener Sportfilter Direkt am Vergaser Einzelabnahme nötig Variabel Deutlich lauter

Verstellbare Rasten: Welche Gutachten brauchen Sie, damit die Polizei das Bike nicht stilllegt?

Eine verstellbare Fußrastenanlage optimiert die Ergonomie und verleiht dem Motorrad einen sportlichen Look. Da sie ein sicherheitsrelevantes Bauteil ist, das erhebliche Kräfte aufnehmen muss, ist eine Eintragung oder eine ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) unerlässlich. Das Fahren ohne gültige Papiere für die Rastenanlage führt bei einer Kontrolle unweigerlich zu einer Mängelkarte und kann die Untersagung der Weiterfahrt bedeuten.

Die meisten hochwertigen Zubehöranlagen werden mit einem Teilegutachten oder einer ABE geliefert. Ein Teilegutachten erfordert immer eine Abnahme des Anbaus durch eine Prüforganisation (TÜV, DEKRA etc.) und die anschließende Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Eine ABE ist einfacher: Sie müssen das Dokument nur mitführen, eine Eintragung ist nicht nötig – solange alle in der ABE genannten Auflagen (z. B. Kombination nur mit originalen Hebeln) erfüllt sind. Achten Sie auf die KBA-Nummer, die auf der Rastenanlage eingraviert sein muss. Sie ist der Beweis für die Prüfung und Zulassung.

Für eine Polizeikontrolle sind Sie am besten vorbereitet, wenn Sie die notwendigen Dokumente griffbereit haben und die entscheidenden Punkte kennen.

  • Papiere griffbereit: Führen Sie die ABE oder den Nachweis der Eintragung (im Fahrzeugschein) immer mit.
  • Auf KBA-Nummer hinweisen: Zeigen Sie dem Beamten bei Nachfragen die eingravierte KBA-Nummer auf der Rastenanlage.
  • Fachgerechte Montage: Eine Rechnung einer Fachwerkstatt kann die korrekte Montage belegen und Zweifel ausräumen.
  • Gebrauchte Teile: Haben Sie eine gebrauchte Anlage ohne Papiere gekauft, können Sie oft über die KBA-Nummer auf der Website des Herstellers das passende Gutachten herunterladen.

Schnelles Blinken nach Umbau: Brauchen Sie Widerstände oder ein lastunabhängiges Relais?

Ein Klassiker nach dem Umbau auf LED-Blinker: Die Blinkfrequenz ist viel zu hoch. Der Grund ist einfach: LED-Blinker haben eine viel geringere Leistungsaufnahme (Watt) als die originalen Glühbirnen. Das lastabhängige Serien-Blinkrelais interpretiert den geringen Widerstand als eine defekte Glühbirne und signalisiert dies durch schnelles Blinken. Dieses Problem ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern ein erheblicher Mangel, der beim TÜV beanstandet wird und eine Gefahr im Straßenverkehr darstellt.

Es gibt drei gängige Lösungen, um die Blinkfrequenz zu korrigieren. Die Wahl hängt vom Motorradmodell und dem Budget ab.

  • Leistungswiderstände: Die günstigste Lösung. Pro Blinker wird ein Widerstand parallel in den Stromkreis geschaltet, der dem Relais eine höhere Last „vortäuscht“. Nachteil: Die Widerstände wandeln überschüssige Energie in Wärme um und können sehr heiß werden (80-100°C). Eine sorgfältige Montage mit Abstand zu Kunststoffteilen ist Pflicht.
  • Lastunabhängiges Relais: Die technisch sauberere Lösung für die meisten Motorräder ohne CAN-Bus-System. Das originale Relais wird einfach gegen ein elektronisches, lastunabhängiges Relais getauscht. Dieses taktet immer mit der richtigen Frequenz, egal wie viel Watt die Blinker haben. Es entsteht keine Abwärme.
  • CAN-Bus Box: Bei modernen Motorrädern mit CAN-Bus-System funktionieren die obigen Lösungen oft nicht. Hier wird eine spezielle Elektronikbox (z. B. Kellermann i.LASH oder motogadget mo.flash) benötigt, die dem Bordcomputer die korrekten Werte meldet.

Die folgende Tabelle vergleicht die Vor- und Nachteile der verschiedenen technischen Ansätze.

Widerstände vs. lastunabhängiges Relais – Technischer Vergleich
Lösung Preis Einbauaufwand Hitzeentwicklung Stromverbrauch Kompatibilität
6,8 Ohm Widerstände 10-20€ Einfach 80-100°C Hoch Alle Modelle
Lastunabhängiges Relais 30-50€ Mittel Keine Niedrig Ohne CAN-Bus
CAN-Bus Box (Kellermann/motogadget) 80-150€ Komplex Keine Minimal Moderne Bikes mit CAN

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kombinationsfalle: Ein Teil mit E-Nummer oder ABE kann durch die Kombination mit anderen Zubehörteilen (z.B. Auspuff + Krümmer) seine Zulassung verlieren.
  • Die Detailfalle: Exakte Anbaumaße, Winkel und Abstände sind oft entscheidender als die Papiere des Bauteils selbst (z.B. Kennzeichenwinkel, Blinkerabstand).
  • Die Systemfalle: Umbauten, die Geräusch- oder Abgaswerte beeinflussen (Luftfilter, Auspuff), sind am riskantesten und erfordern eine ganzheitliche Betrachtung durch einen Experten.

Motorrad folieren statt lackieren: Wie haltbar ist die Folie an heißen Motorteilen?

Eine Folierung ist eine attraktive Alternative zur Lackierung, um dem Motorrad schnell und reversibel einen neuen Look zu verpassen. Grundsätzlich ist eine Folierung nicht eintragungspflichtig, solange sie keine sicherheitsrelevanten Aspekte berührt. Ändert sich jedoch die Grundfarbe des Fahrzeugs durch die Folie auf über 50% der sichtbaren Fläche, muss dies in den Fahrzeugpapieren korrigiert werden. Eine oft übersehene, aber wichtige Regel: Tragende Teile wie der Rahmen, die Schwinge oder die Gabelholme dürfen nicht foliert werden. Der Grund: Eine Folie könnte Risse oder Beschädigungen am Material verdecken, was ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.

Die größte technische Herausforderung ist die Hitze. Viele Schrauber träumen davon, auch Motordeckel oder andere Motorteile zu folieren. Hier ist jedoch äußerste Vorsicht geboten. Laut Herstellerangaben halten selbst hochwertige Autofolien (z.B. 3M 2080 Serie) dauerhaft nur Temperaturen von etwa 80-100°C stand. Teile wie ein Kupplungs- oder Limadeckel können diese Temperatur im Betrieb leicht erreichen oder überschreiten. Die Folge: Die Folie wirft Blasen, verfärbt sich oder löst sich ab. Absolutes Tabu sind Teile, die direkt zur Kühlung beitragen, wie die Zylinderrippen eines luftgekühlten Motors. Diese können Temperaturen von weit über 150°C erreichen und dürfen niemals foliert werden, da dies die Wärmeabfuhr behindern würde.

Bevor Sie mit der Folierung beginnen, sollten Sie eine Checkliste im Kopf haben, um TÜV-Probleme und Materialschäden zu vermeiden:

  • Keine tragenden Teile: Rahmen, Schwinge und Gabelholme sind tabu.
  • Temperatur prüfen: Nur Teile folieren, die im Betrieb unter 80°C bleiben. Im Zweifel mit einem Infrarot-Thermometer nach einer langen Fahrt messen.
  • Farbwechsel eintragen: Bei einer Änderung der Grundfarbe die Papiere anpassen lassen.
  • Versicherung informieren: Melden Sie die Folierung Ihrer Vollkaskoversicherung, damit diese im Schadensfall abgedeckt ist.
  • Kühlflächen freilassen: Luftgekühlte Zylinder und andere Kühlflächen niemals bekleben.

Der Weg zum legalen Custombike ist kein Hexenwerk, erfordert aber mehr als nur den Kauf von Teilen mit den richtigen Papieren. Er erfordert die Denkweise eines Prüfers: ein Verständnis für das Gesamtsystem und ein Auge für die Details, die über Legalität oder Stilllegung entscheiden. Wenn Sie die hier besprochenen Fallen kennen und vermeiden, steht dem souveränen Fahrspaß mit Ihrem Unikat nichts mehr im Wege. Für die finale Absicherung empfiehlt sich immer ein Gespräch mit einem Prüfingenieur Ihres Vertrauens, bevor Sie größere Umbauten vornehmen.

Häufige Fragen zu Motorrad-Umbauten und TÜV

Was bedeutet die Kennzeichnung ’11‘ auf meinem Blinkerglas?

Die ’11‘ kennzeichnet einen vorderen Blinker nach ECE-Prüfung. Für hinten wäre es die ’12‘.

Darf ich zusätzliche Blinker zu den Serienblinkern montieren?

Nein, die Anzahl der Leuchten ist festgelegt. Zusätzliche Blinker sind illegal, wenn die Serienblinker aktiv bleiben.

Kann ein breiter Tankrucksack zum Problem werden?

Ja, wenn er die Blinker verdeckt, gilt dies als unzulässig – auch bei korrekt montierten Blinkern.

Beide Seiten blinken zu schnell – was ist defekt?

Das Relais ist nicht für LED-Blinker geeignet. Lösung: Lastunabhängiges Relais einbauen.

Nur eine Seite blinkt zu schnell – was tun?

Der Widerstand auf dieser Seite ist defekt oder falsch angeschlossen. Verkabelung prüfen.

Alle Blinker leuchten dauerhaft – woran liegt’s?

Falsches Relais für das Motorradmodell verbaut. Passendes Relais besorgen.

Geschrieben von Stefan Müller, Zweiradmechanikermeister und TÜV-Sachverständiger mit 20 Jahren Werkstattpraxis. Spezialist für Motorradtechnik, Wartung, Umbauten und die gesetzlichen Vorgaben der StVZO.