
Motorradfahren ist für Fahrer über 50 weniger eine Frage der Belastung, sondern des gezielten Belastungsmanagements.
- Positive Effekte wie Stressabbau sind neurophysiologisch messbar und fördern das Wohlbefinden.
- Gezieltes Training der Rumpfmuskulatur ist wirksamer als jede passive Maßnahme zur Schmerzprävention.
Empfehlung: Betrachten Sie jede Tour als eine moderate Trainingseinheit und passen Sie Ergonomie und Kondition aktiv an, um langfristig schmerzfrei zu fahren.
Die Freiheit auf zwei Rädern, der Wind im Gesicht, das Gefühl, mit der Straße zu verschmelzen – für viele Fahrer, gerade jenseits der 50, ist das Motorradfahren mehr als nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft. Doch mit den Jahren meldet sich oft der Körper zu Wort. Ein Ziehen im unteren Rücken nach einer langen Tour, steife Knie am nächsten Morgen. Schnell stellt sich die Frage: Schade ich meiner Gesundheit? Ist diese Leidenschaft eine pure Belastung für meine Bandscheiben und Gelenke? Die üblichen Ratschläge sind bekannt: Pausen machen, die Sitzposition variieren, vielleicht eine teurere Sitzbank kaufen.
Doch was, wenn die wahre Antwort nicht in passiven Anpassungen, sondern in einem aktiven Umdenken liegt? Aus sportmedizinischer Sicht ist die entscheidende Frage nicht, *ob* Sie fahren, sondern *wie* Sie fahren und wie Ihr Körper darauf vorbereitet ist. Anstatt das Motorradfahren pauschal als schädlich abzustempeln, sollten wir es als das betrachten, was es ist: eine moderate sportliche Aktivität mit einem ganz spezifischen biomechanischen Profil. Es erfordert Kraft, Koordination und Ausdauer, und wie bei jeder Sportart liegt der Schlüssel zur Langlebigkeit nicht im Vermeiden, sondern im intelligenten Training und im gezielten Belastungsmanagement.
Dieser Artikel führt Sie durch eine neue Perspektive auf Ihr Hobby. Wir analysieren die tatsächlichen körperlichen Anforderungen, von der Stoffwechselaktivität auf einem E-Bike bis zur neurophysiologischen Reaktion auf den Fahrtwind. Wir beleuchten spezifische Risiken wie Kälteeinwirkung oder Schadstoffbelastung und zeigen vor allem konkrete, präventive Maßnahmen auf – von der richtigen Hebetechnik über gezielte Übungen für die Rumpfmuskulatur bis hin zur optimalen ergonomischen Einstellung Ihrer Maschine. Ziel ist es, Ihnen das Wissen an die Hand zu geben, um die positiven Effekte des Fahrens zu maximieren und die Risiken aktiv zu minimieren.
Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Zweiradfahren und körperlicher Gesundheit im Detail zu beleuchten, haben wir diesen Ratgeber in acht zentrale Bereiche gegliedert. Jeder Abschnitt widmet sich einem spezifischen Aspekt und bietet Ihnen fundierte, praxisnahe Informationen.
Inhaltsverzeichnis: Der sportmedizinische Blick auf das Fahren
- E-Bike vs. Bio-Bike: Verbrennen Sie auf dem Pedelec wirklich weniger Kalorien?
- Stressabbau durch Fahrtwind: Warum Motorradfahren nachweislich Cortisol senkt?
- Kalte Knie im Winter: Wie verhindern Sie Rheuma und Arthrose durch Fahrtwind?
- Atmen im Stau: Wie schädlich ist die Luft unter dem Helm im Stadtverkehr wirklich?
- Rumpfmuskulatur stärken: Welche 3 Übungen verhindern Schmerzen auf langen Touren?
- Sportler oder Tourer: Welcher Kniewinkel ist für Ihre Beinlänge noch gesund?
- Die 250kg Maschine aufbocken: Mit welcher Technik schaffen Sie es ohne Bandscheibenvorfall?
- Sitzhöhe und Ergonomie: Wie Sie Rückenschmerzen auf langen Touren vermeiden?
E-Bike vs. Bio-Bike: Verbrennen Sie auf dem Pedelec wirklich weniger Kalorien?
Die Vorstellung, dass E-Bikes eine Art „Schummeln“ sind, hält sich hartnäckig. Aus sportmedizinischer Sicht ist diese Annahme jedoch zu kurz gegriffen. Entscheidend ist nicht die maximale Leistung, sondern die tatsächlich erbrachte Arbeit über die Zeit. Zwar ist der Kalorienverbrauch pro Stunde auf einem Pedelec geringer, doch dieser Effekt wird durch ein verändertes Nutzungsverhalten mehr als ausgeglichen. Studien zeigen, dass E-Bike-Fahrer oft und vor allem weiter fahren.
Eine vielzitierte Studie der Universität Basel hat gezeigt, dass E-Bike-Fahrer im Schnitt etwa 300 Kalorien pro Stunde verbrennen, im Vergleich zu rund 400 Kalorien bei Radfahrern ohne Motor. Der entscheidende Punkt ist jedoch die zurückgelegte Distanz: E-Biker legen im Schnitt deutlich längere Strecken zurück. Daten zeigen, dass die durchschnittliche tägliche Fahrstrecke bei E-Bikern bei 8,0 km liegt, während sie bei konventionellen Radfahrern nur 5,3 km beträgt.
Der Motor senkt die Hemmschwelle für längere oder anspruchsvollere Touren und sorgt dafür, dass die Fahrer insgesamt aktiver sind. Zudem ermöglicht die elektrische Unterstützung, die Herzfrequenz gezielter in der optimalen Fettverbrennungszone (ca. 50-75% der maximalen Herzfrequenz) zu halten, da Anstiege nicht zu extremen Belastungsspitzen führen. Das E-Bike ist also kein Sport-Verhinderer, sondern ein Werkzeug für ein besser steuerbares und oft ausgedehnteres Ausdauertraining.
Letztendlich ist die Behauptung, auf dem Pedelec verbrenne man kaum Kalorien, ein Mythos. Durch längere und häufigere Fahrten kann der Gesamtkalorienverbrauch dem eines Bio-Bikers ebenbürtig oder sogar überlegen sein, was es zu einer exzellenten Aktivität für die moderate, gelenkschonende Gesundheitsförderung macht.
Stressabbau durch Fahrtwind: Warum Motorradfahren nachweislich Cortisol senkt?
Jeder Biker kennt das Gefühl: Nach einem anstrengenden Tag setzt man den Helm auf, startet den Motor, und mit den ersten Kilometern fällt die Anspannung ab. Dieses subjektive Empfinden ist keine Einbildung, sondern eine messbare neurophysiologische Reaktion. Die für das Fahren erforderliche, hohe Konzentration versetzt das Gehirn in einen Zustand, der dem meditativen „Flow“ ähnelt – man ist vollkommen im Hier und Jetzt.
Eine in den USA durchgeführte neurowissenschaftliche Studie liefert hierfür beeindruckende Belege. Die Forscher maßen die Hormonlevel von Bikern vor, während und nach der Fahrt. Das Ergebnis: Nach einer nur 20-minütigen Motorradfahrt wurde eine 28-prozentige Reduktion der Stressbiomarker, insbesondere des Hormons Cortisol, festgestellt. Gleichzeitig stiegen die Herzfrequenz um 11 Prozent und die Adrenalinlevel um 27 Prozent – ein Zustand, der dem nach einem leichten Workout gleicht und die sensorische Wahrnehmung schärft.

Dieser Zustand erhöhter Aufmerksamkeit bei gleichzeitigem Stressabbau ist eine einzigartige Kombination. Der leitende Neurowissenschaftler der Studie, Dr. Don Vaughn vom UCLA Semel Institut für Neurowissenschaften, fasst es so zusammen: „Die Unterschiede bei den neurologischen und physiologischen Reaktionen zwischen motorradfahrenden Teilnehmern und Testpersonen anderer beobachteter Aktivitäten waren sehr deutlich“. Das Gehirn wird gefordert, aber nicht überfordert, was zu einem mentalen Reset führt.
Es handelt sich also um eine aktive Form der mentalen Hygiene. Die Kombination aus Konzentration, körperlicher Aktivität und Sinnesreizen wirkt wie ein Ventil, das den Druck des Alltags entweichen lässt und nachweislich zum psychischen Wohlbefinden beiträgt.
Kalte Knie im Winter: Wie verhindern Sie Rheuma und Arthrose durch Fahrtwind?
Der Fahrtwind ist bei warmem Wetter ein Segen, doch bei kühlen Temperaturen wird er zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsrisiko, insbesondere für die Gelenke. Die ständige Auskühlung der Knie- und Hüftgelenke kann die Durchblutung stark reduzieren, was zu einer Unterversorgung des Gelenkknorpels führt. Langfristig fördert dies chronische Entzündungsprozesse und kann die Entstehung von Arthrose oder rheumatischen Beschwerden begünstigen. Prävention ist hier entscheidend.
Das wirksamste Mittel gegen die Kälte ist das Zwiebelprinzip, bei dem mehrere dünne Schichten übereinander getragen werden. Jede Schicht hat eine spezifische Funktion:
- Basisschicht: Direkt auf der Haut getragene Thermo-Unterwäsche aus Funktionsfasern oder Merinowolle leitet Feuchtigkeit vom Körper weg und verhindert das Auskühlen durch Schweiß.
- Isolationsschicht (Midlayer): Ein Fleece-Pullover oder eine dünne, winddichte Jacke als zweite Schicht speichert die Körperwärme. Diese Schicht wird je nach Temperatur angepasst.
- Schutzschicht: Die eigentliche Motorradbekleidung mit wind- und wasserdichter Membran schützt vor dem direkten Fahrtwind und Nässe.
- Spezialschutz: Für besonders exponierte Stellen wie die Knie gibt es spezielle Neopren-Bandagen, die gezielt isolieren. Ein hochwertiges Schlauchtuch schützt den empfindlichen Hals- und Nackenbereich.
Für Ganzjahresfahrer, die auch bei Temperaturen unter 10°C unterwegs sind, ist beheizbare Kleidung eine sinnvolle Investition. Ein Praxistest von Motorrad-Magazinen hat gezeigt, dass moderne Systeme wie die Klan-e-Kombi effektiv sind. Sie bieten mehrere Heizstufen und eine gute Passform, auch wenn bei sehr sportlicher Haltung mit spitzem Kniewinkel die Heizdrähte manchmal spürbar sein können. Eine solche Investition ist jedoch ein direkter Beitrag zur langfristigen Gelenkgesundheit.
Ignorieren Sie niemals kalte Knie oder steife Gelenke nach einer Fahrt. Sehen Sie es als Warnsignal Ihres Körpers und rüsten Sie entsprechend auf. Eine gute Ausrüstung ist keine Frage des Komforts, sondern der aktiven Gesundheitsvorsorge.
Atmen im Stau: Wie schädlich ist die Luft unter dem Helm im Stadtverkehr wirklich?
Das Fahren in der Stadt konfrontiert Motorradfahrer mit einer besonderen Herausforderung: der Luftqualität. Im Stop-and-Go-Verkehr oder im Stau ist die Konzentration von Feinstaub und Stickoxiden direkt auf Auspuffhöhe am höchsten. Während Autofahrer durch Innenraumfilter teilweise geschützt sind, atmen Biker diese Schadstoffe direkter ein. Die entscheidende Frage ist, wie hoch die Belastung tatsächlich ist und was man dagegen tun kann.
Die Situation im Stau ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits führt das langsame Fahren und Stehen zu einer erhöhten Schadstoffexposition. Andererseits sorgt die permanente Konzentration auf den dichten Verkehr für eine erhöhte physiologische Aktivierung. Messungen zeigen während einer Fahrt eine Adrenalinerhöhung von bis zu 27 Prozent. Dies signalisiert einen Zustand hoher Wachsamkeit, nicht aber den negativen chronischen Stress, der durch Cortisol angezeigt wird. Die Belastung ist also real, aber der Körper befindet sich in einem aktiven Bewältigungsmodus.
Das in Deutschland geltende Verbot des Durchschlängelns („Lane Splitting“) verschärft das Problem der Schadstoffexposition, da es zu längeren Standzeiten direkt zwischen den Autos führt. Um die Belastung zu minimieren, gibt es mehrere Strategien. Das Tragen einer FFP3-Maske unter dem Helm ist zwar theoretisch wirksam, da sie Partikel filtert, in der Praxis aber oft unbequem und kann die Atmung behindern. Sinnvoller sind folgende Ansätze:
- Routenwahl: Meiden Sie stark befahrene Hauptverkehrsadern und nutzen Sie, wenn möglich, Umgehungsstraßen oder Routen durch Grünanlagen.
- Zeitplanung: Fahren Sie antizyklisch, also außerhalb der Stoßzeiten am Morgen und Abend.
- Helmtechnologie: Einige moderne Helme bieten integrierte Filtersysteme, die eine komfortablere und praktischere Alternative zur separaten Maske darstellen.
Die Schadstoffbelastung im Stadtverkehr ist ein nicht zu leugnender Nachteil. Durch eine kluge Routen- und Zeitplanung sowie die Wahl der richtigen Ausrüstung lässt sich das Risiko jedoch aktiv und signifikant reduzieren.
Rumpfmuskulatur stärken: Welche 3 Übungen verhindern Schmerzen auf langen Touren?
Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen beim Motorradfahren ist keine direkte Schädigung der Bandscheiben, sondern eine ermüdete und überlastete Rumpfmuskulatur. Die Wirbelsäule wird durch Vibrationen, Beschleunigungs- und Bremskräfte sowie durch die oft statische Sitzhaltung permanent gefordert. Eine schwache Tiefenmuskulatur im Bauch- und Rückenbereich kann diese Kräfte nicht ausreichend stabilisieren, was zu Verspannungen und Schmerzen führt. Wie Experten für Ergonomie betonen, entsteht der Schmerz durch „ein komplexes Zusammenspiel mechanischer, muskulärer und technischer Faktoren“.
Die gute Nachricht: Sie können diesen Faktor aktiv beeinflussen. Statt nur auf eine bessere Sitzbank zu hoffen, ist die gezielte Kräftigung des Rumpfes die mit Abstand wirksamste Präventionsmaßnahme. Schon kleine, regelmäßige Übungseinheiten zu Hause machen einen gewaltigen Unterschied. Selbst während der Fahrt können Sie etwas tun: Nutzen Sie kurze Stopps an einer Ampel für „Mikro-Übungen“, wie eine bewusste Aufrichtung der Wirbelsäule oder das Anspannen der Bauchmuskeln für einige Sekunden.

Die folgenden Übungen bilden eine solide Basis für eine stabile Körpermitte und erfordern kein spezielles Equipment. Integrieren Sie sie zwei- bis dreimal pro Woche in Ihren Alltag.
Ihr 5-Minuten-Rückenprogramm für zu Hause
- Der Unterarmstütz (Plank): Gehen Sie in die Liegestützposition, aber stützen Sie sich auf den Unterarmen ab. Halten Sie den Körper von den Fersen bis zum Kopf in einer geraden Linie. Spannen Sie Bauch und Gesäß fest an. 3 Sätze à 30-60 Sekunden halten.
- Der Superman (Rückenstrecker): Legen Sie sich auf den Bauch, die Arme nach vorne gestreckt. Heben Sie nun gleichzeitig Arme, Oberkörper und Beine vom Boden ab. Die Bewegung kommt aus dem unteren Rücken. 3 Sätze à 15 Wiederholungen.
- Die Beckenbrücke (Glute Bridge): Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Füße hüftbreit auf. Drücken Sie nun Ihr Becken nach oben, bis Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Spannen Sie das Gesäß fest an. 3 Sätze à 20 Wiederholungen.
Betrachten Sie Ihre Rumpfmuskulatur als das eingebaute Federungssystem Ihres Körpers. Je besser es trainiert ist, desto weniger müssen die passiven Strukturen wie Bandscheiben und Gelenke die Stöße und Kräfte des Fahrens abfedern.
Sportler oder Tourer: Welcher Kniewinkel ist für Ihre Beinlänge noch gesund?
Die Ergonomie des Motorrads spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die körperliche Konstitution des Fahrers. Ein entscheidender, aber oft übersehener Faktor ist dabei der Kniewinkel. Dieser wird durch das „magische Dreieck“ aus Lenker, Sitzbank und Fußrasten bestimmt. Ein zu spitzer Kniewinkel, wie er auf Supersportlern typisch ist, kann auf langen Touren zu Schmerzen im Kniegelenk, aber auch zu Verspannungen in Hüfte und unterem Rücken führen.
Ein gesunder Kniewinkel für längere Fahrten liegt im Bereich von 90 bis 110 Grad. In dieser Position ist die Belastung auf das Gelenk relativ gering, und die Durchblutung wird nicht eingeschränkt. Auf sportlichen Motorrädern („Sportler“) ist der Winkel oft deutlich spitzer (unter 90 Grad), was die Aerodynamik verbessert, aber den Komfort stark reduziert. Auf Reisemaschinen („Tourer“) ist er tendenziell offener, was eine entspanntere Haltung ermöglicht. Das Problem: Die Standard-Ergonomie ist für einen „Durchschnittsfahrer“ ausgelegt, dem nur wenige Menschen entsprechen.
Für Fahrer mit langen Beinen auf einem sportlichen Motorrad oder für kleinere Fahrer auf einer hohen Reiseenduro kann der Standard-Kniewinkel ungesund sein. Hier helfen gezielte Anpassungen. Verstellbare oder versetzte Fußrastenanlagen können den Winkel um entscheidende Grade öffnen oder schließen. Ebenso kann eine höhere oder niedrigere Sitzbank die gesamte Geometrie verändern. Ein professionelles Bike-Fitting kann hier Klarheit schaffen. Experten analysieren die individuelle Körperstatur und passen das Motorrad entsprechend an, um eine optimale, schmerzfreie Haltung zu gewährleisten.
Bevor Sie also über einen Motorradwechsel nachdenken, prüfen Sie die oft günstigeren Möglichkeiten der ergonomischen Anpassung. Ein paar Zentimeter an der richtigen Stelle können den Unterschied zwischen einer schmerzhaften Tortur und einer genussvollen Tour ausmachen.
Die 250kg Maschine aufbocken: Mit welcher Technik schaffen Sie es ohne Bandscheibenvorfall?
Einer der riskantesten Momente im Leben eines Motorradfahrers findet oft nicht auf der Straße, sondern im Stand statt: das Aufbocken oder Aufheben einer schweren Maschine. Eine falsche Bewegung, ein Heben aus dem Rücken – und schon kann es zu einer schmerzhaften Zerrung oder im schlimmsten Fall zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Gerade bei schweren Tourern oder Cruisern mit über 250 kg ist die richtige Biomechanik entscheidend.
Vergessen Sie pure Kraft. Der Trick liegt darin, die stärksten Muskeln des Körpers zu nutzen: die Bein- und Gesäßmuskulatur. Der Rücken muss dabei absolut gerade und stabil bleiben und dient nur der Kraftübertragung, nicht der Krafterzeugung. Die folgende Technik gilt für das Aufheben einer umgefallenen Maschine und kann sinngemäß auch für das Rangieren genutzt werden:
- Positionierung: Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Motorrad, auf der Seite des tiefer liegenden Lenkerendes. Gehen Sie tief in die Hocke, sodass Ihr Gesäß fast die Sitzbank berührt.
- Sicherer Griff: Fassen Sie mit einer Hand den Lenkergriff und mit der anderen Hand einen stabilen Teil am Heck (z.B. Rahmen, Gepäckträger oder Haltegriff).
- Rücken gerade: Richten Sie Ihren Rücken auf. Er muss während des gesamten Vorgangs gerade bleiben. Ihr Blick geht geradeaus, nicht nach unten.
- Kraft aus den Beinen: Drücken Sie sich nun langsam und kontrolliert mit der Kraft Ihrer Oberschenkel nach oben. Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Kniebeuge. Sie schieben das Motorrad mit Ihrem Gesäß und Rücken nach oben.
- Aufrecht halten: Sobald das Motorrad den Kipppunkt überwunden hat, halten Sie es stabil und klappen den Seitenständer aus.
Ein erfahrener Motorradmechaniker bringt es auf den Punkt: „Rückenschmerzen kommen oft von Verspannungen bei Überlastung – ein untrainierter Rücken wird einer ungewohnten Anstrengung ausgesetzt, was zu einem Teufelskreis führt. Ich würde eine Abklärung beim Arzt und gegebenenfalls physiotherapeutische Beratung bezüglich geeignetem Aufbautraining empfehlen“.
Üben Sie diese Technik am besten einmal mit Hilfe einer zweiten Person, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Die richtige Hebetechnik schont nicht nur Ihren Rücken, sondern gibt Ihnen auch die Sicherheit, Ihre Maschine in jeder Situation souverän zu beherrschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Motorradfahren ist eine moderate sportliche Aktivität, kein passiver Transport. Sein gesundheitlicher Wert hängt von der aktiven Vorbereitung ab.
- Aktive Konditionierung der Rumpfmuskulatur ist entscheidender für die Schmerzprävention als jede passive Anpassung am Motorrad selbst.
- Die Ergonomie (Sitzhöhe, Kniewinkel) muss individuell auf den Fahrer abgestimmt sein, um chronische Fehlbelastungen und Schmerzsyndrome zu vermeiden.
Sitzhöhe und Ergonomie: Wie Sie Rückenschmerzen auf langen Touren vermeiden?
Die perfekte Tour endet nicht mit Schmerzen. Wenn doch, ist oft eine suboptimale Ergonomie die Ursache. Neben dem Kniewinkel ist die Sitzbank das zentrale Element, das über Komfort oder Qual entscheidet. Eine falsche Sitzhöhe oder ein ungeeignetes Material führen zu einer ungleichmäßigen Druckverteilung, was die Gesäßmuskulatur ermüdet und den Druck auf das Steißbein und den Ischiasnerv erhöht.
Die richtige Sitzhöhe ist erreicht, wenn Sie im Stand mit beiden Füßen sicher den Boden berühren können, ohne das Becken stark kippen zu müssen. Ist der Sitz zu hoch, führt dies zu ständigen Ausgleichsbewegungen und Verspannungen im Oberkörper. Ist er zu niedrig, wird der Kniewinkel zu spitz. Doch nicht nur die Höhe, auch das Material ist entscheidend. Standard-Sitzbänke sind oft zu weich oder zu hart. Ein zu weicher Schaumstoff führt zum „Durchsitzen“, wodurch der Druck punktuell auf die Knochenstruktur wirkt. Ein zu harter Schaumstoff verteilt den Druck ebenfalls schlecht.
Moderne Lösungen setzen auf medizinische Schaumstoffe mit hoher Rückstellkraft, die den Druck großflächig verteilen. Erfahrungen von Langstreckenfahrern zeigen eine um bis zu 70-80% bessere Druckverteilung mit solchen Materialien. Ein guter Ergonomie-Berater bringt es auf den Punkt: „Ein Motorrad muss nicht perfekt ab Werk zur eigenen Körperstruktur passen. Oft hilft bereits eine kleine Anpassung, um die Ergonomie zu verbessern. Lenkererhöhungen, verstellbare Fußrasten oder eine geformte Sitzbank verändern Haltung und Druckverteilung deutlich.“
Eine gut abgestimmte Maschine fördert nicht nur den Komfort, sondern auch das Vertrauen und die Sicherheit. Beginnen Sie noch heute damit, diese sportmedizinischen Prinzipien anzuwenden, und verwandeln Sie jede Fahrt in einen Beitrag zu Ihrer Gesundheit und Langlebigkeit im Sattel.
Häufige Fragen zur Gesundheit beim Motorradfahren
Helfen FFP3-Masken unter dem Helm gegen Feinstaub?
FFP3-Masken filtern bis zu 99% der Partikel, können aber unter dem Helm unbequem sein und die Atmung erschweren. Moderne Helme mit integrierten Filtersystemen sind die praktischere Alternative.
Wie wirkt sich das Verbot des Durchschlängelns auf die Schadstoffexposition aus?
Das in Deutschland verbotene Durchschlängeln führt zu längeren Standzeiten im Stau und damit zu einer höheren Schadstoffexposition im Vergleich zu Ländern, wo das Filtern erlaubt ist.
Welche Alternativen gibt es zu stark befahrenen Stadtrouten?
Die Nutzung von Umgehungsstraßen, die Fahrt zu verkehrsarmen Zeiten oder die Wahl von Routen durch Grünanlagen können die Schadstoffbelastung deutlich reduzieren.