Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Entscheidung für einen E-Roller ist weniger eine Rechenaufgabe als vielmehr eine Wahl des urbanen Lebensstils, bei der Zeitersparnis und Komfort die höheren Anschaffungskosten oft rechtfertigen.

  • Die laufenden Kosten eines E-Rollers (Strom, Wartung) sind drastisch niedriger als bei einem Verbrenner, was die Anschaffung über die Jahre amortisiert.
  • Praktische Hürden wie Akku-Reichweite im Winter und das Laden in einer Mietwohnung sind reale Faktoren, die bedacht werden müssen.

Empfehlung: Für tägliche, kurze bis mittlere Strecken in der Stadt, bei denen Zeit und Fahrkomfort wichtiger sind als der reine Kaufpreis, ist der E-Roller trotz der Anfangsinvestition die überlegene Wahl gegenüber einem günstigen Baumarkt-Verbrenner oder sogar dem Deutschlandticket.

Die Entscheidung für einen neuen Roller ist für viele Stadtbewohner ein Dilemma. Auf der einen Seite lockt der günstige Verbrenner-Roller aus dem Baumarkt mit seiner unkomplizierten Anschaffung und der vertrauten Technik. Auf der anderen Seite stehen die stylishen, leisen E-Roller wie eine Vespa Elettrica oder ein Niu, deren Preisschild jedoch erst einmal abschreckend wirkt. Die klassische Debatte dreht sich meist um simple Vergleiche: Benzinpreis gegen Strompreis, jährliche Inspektion gegen vermeintliche Wartungsfreiheit.

Doch diese oberflächliche Betrachtung greift zu kurz. Sie ignoriert die tägliche Praxis-Realität, die den wahren Wert eines Fahrzeugs im urbanen Dschungel ausmacht. Es geht nicht nur um die Kosten pro Kilometer, die auf dem Papier stehen. Es geht um die versteckten Hürden und die unerwarteten Vorteile, die den Alltag prägen. Was nützt die beste Reichweitenangabe, wenn der Akku im Winter schlappmacht? Was bedeutet „wartungsarm“ wirklich in Euro und Cent über fünf Jahre? Und wie viel ist die gewonnene Lebenszeit wert, wenn man am Stau vorbeigleitet, statt auf die U-Bahn zu warten?

Dieser Artikel bricht mit der reinen Zahlenrechnerei. Wir tauchen tief ein in die entscheidenden Fragen, die über den Kauf hinausgehen. Wir beleuchten die „Lebensstil-Kosten“ – von staatlichen Prämien, die keine mehr sind, über das Gewicht des Akkus, den man in den vierten Stock tragen muss, bis hin zu den stillen Gefahren und den echten Privilegien im Stadtverkehr. Am Ende werden Sie verstehen, dass die Wahl zwischen Elektro und Benzin eine Entscheidung über Ihren persönlichen urbanen Lebensstil ist, und nicht nur eine Frage an Ihr Portemonnaie.

In diesem Ratgeber analysieren wir detailliert die verschiedenen Aspekte, die bei der Wahl zwischen einem E-Roller und einem Verbrenner eine Rolle spielen. Der folgende Überblick gibt Ihnen eine klare Struktur der Themen, die wir behandeln werden, um Ihnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen.

Geld zurück vom Staat: Wie Sie mit Ihrem 45er E-Roller jährlich bis zu 300 € THG-Prämie kassieren?

Die Hoffnung auf eine saftige Prämie war für viele ein starkes Argument für den E-Roller. Die sogenannte Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) versprach, die CO₂-Einsparungen in bares Geld zu verwandeln. Die im Titel gestellte Frage nach 300 € pro Jahr muss jedoch mit einer klaren Ernüchterung beantwortet werden: Diese Zeiten sind vorbei, insbesondere für die beliebte 45er-Klasse (bis 45 km/h).

Die Realität sieht heute anders aus. Zum einen ist der Marktwert der THG-Quote drastisch gefallen. Während 2022 noch hohe Summen gezahlt wurden, ist laut ADAC die THG-Prämie auf nur noch 40-100 € im Jahr 2024 gesunken. Zum anderen – und das ist der entscheidende Punkt für die meisten Rollerfahrer – wurde eine entscheidende Gesetzesänderung vorgenommen. Wie Verivox berichtet, hat eine Novelle der 38. Bundes-Immissionsschutzverordnung der Praxis ein Ende gesetzt, zulassungsfreie Fahrzeuge wie 45er-Roller über eine freiwillige Zulassung für die Prämie zu qualifizieren.

Seit dem 29. Juli 2023 gilt: Zulassungsfreie E-Fahrzeuge der Klassen L1e und L2e erhalten keine THG-Quote mehr. Das betrifft praktisch alle E-Roller, die lediglich ein Versicherungskennzeichen benötigen. Nur zulassungspflichtige, „große“ E-Motorräder (Klasse L3e, vergleichbar mit 125ern oder größer) sind weiterhin prämienberechtigt. Die anfängliche Euphorie über eine schnelle finanzielle Rendite durch staatliche Anreize ist für den typischen Stadt-E-Roller somit einer derben Enttäuschung gewichen. Man sollte den Kauf also nicht mehr von dieser Prämie abhängig machen.

Akku bei Minusgraden: Warum Ihr E-Roller im Januar nur noch 50% der Strecke schafft?

Einer der größten Schocks für neue E-Roller-Besitzer kommt mit dem ersten Kälteeinbruch. Die im Sommer noch beeindruckende Reichweite schmilzt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt dahin. Dies ist keine Fehlfunktion, sondern pure Physik. Lithium-Ionen-Akkus, das Herzstück jedes E-Rollers, sind elektrochemische Sensibelchen. Bei Kälte verlangsamen sich die chemischen Prozesse im Inneren, der Innenwiderstand der Zellen steigt und die nutzbare Kapazität sinkt rapide.

Experten bestätigen, dass man im Winter mit einem Reichweitenverlust von 30 bis 50 % bei Minusgraden rechnen muss. Ein Roller, der im Sommer 80 Kilometer schafft, kommt im tiefsten Januar möglicherweise nur noch 40 Kilometer weit. Diese Praxis-Realität ist ein entscheidender Faktor für Pendler, die ihre tägliche Strecke genau kalkulieren müssen. Wer eine Reichweite von 50 km benötigt, sollte im Winter einen Roller mit einer Nennreichweite von mindestens 80-100 km besitzen oder eine Möglichkeit zur Zwischenladung haben.

Diese reduzierte Leistungsfähigkeit der Batterie bei Kälte ist eine der wichtigsten „versteckten Hürden“ der Elektromobilität. Sie erfordert eine Umstellung im Denken und Planen, die bei einem Verbrenner-Roller, der bei jedem Wetter die gleiche Reichweite bietet, nicht nötig ist.

Makroaufnahme von Lithium-Ionen-Akkuzellen mit Eiskristallen und Temperaturanzeige

Die gute Nachricht ist, dass man den negativen Effekten der Kälte entgegenwirken kann. Eine sorgfältige Akkupflege ist entscheidend, um die Lebensdauer und die tägliche Performance zu maximieren. Die richtige Lagerung und das korrekte Laden sind dabei die wichtigsten Hebel.

Ihre Checkliste für den E-Roller im Winter

  1. Akku im Warmen lagern: Lagern Sie den Akku immer bei Raumtemperatur (ca. 15-20°C) und setzen Sie ihn erst kurz vor der Fahrt in den kalten Roller ein.
  2. Laden bei richtiger Temperatur: Laden Sie einen kalten Akku niemals sofort nach der Fahrt auf. Lassen Sie ihn erst auf Raumtemperatur kommen. Das Laden sollte erst ab +5°C beginnen.
  3. Reifendruck anpassen: Erhöhen Sie den Reifendruck um ca. 0,2 bar. Das verringert den Rollwiderstand auf kalter Fahrbahn und kompensiert den Druckverlust durch die Kälte.
  4. Streusalz entfernen: Reinigen Sie Kontakte und Metallteile nach jeder Fahrt von aggressivem Streusalz, um Korrosion zu vermeiden.
  5. Reichweite konservativ planen: Kalkulieren Sie Ihre Fahrten nur mit 50-70% der Sommerreichweite, um nicht liegenzubleiben.

Laden in der Mietwohnung: Welche Modelle haben Akkus, die Sie in den 4. Stock tragen können?

Für die meisten Stadtbewohner ist dies die Gretchenfrage der Elektromobilität: Wie lade ich den Roller ohne Garage oder eigenen Stellplatz mit Steckdose? Die Lösung liegt in Modellen mit herausnehmbaren Akkus. Diese Fähigkeit, den Energiespeicher einfach mit in die Wohnung zu nehmen, ist für Mieter in oberen Stockwerken ein absolutes K.O.-Kriterium und ein entscheidender Vorteil gegenüber fest verbauten Akkus.

Doch hier lauert die nächste Praxis-Realität: das Gewicht. Ein Akku ist kein Smartphone. Je nach Kapazität wiegen diese Energiepakete zwischen 8 und 15 Kilogramm – pro Stück. Einige Roller benötigen sogar zwei davon für die volle Reichweite. Das tägliche Tragen eines oder zweier 10-Kilo-Pakete in den vierten Stock wird schnell zur sportlichen Herausforderung und sollte nicht unterschätzt werden. Es ist ein Teil der „Lebensstil-Kosten“, der in keiner reinen Finanzrechnung auftaucht.

Ein gutes Beispiel ist der Honda CUV e:, dessen herausnehmbare Akkus laut ADAC jeweils 10 kg wiegen und eine Ladezeit von 6 Stunden an einer normalen Haushaltssteckdose haben. Modelle von Niu, Unu oder Silence bieten ebenfalls portable Akku-Lösungen, oft mit praktischen Trolley-Griffen, um das Gewicht zu managen. Beim Kauf muss also nicht nur auf die Reichweite, sondern zwingend auch auf das Akkugewicht und die Handhabbarkeit geachtet werden. Der ADAC fasst den Vorteil treffend zusammen:

Die Nutzer des CUV e: sind nicht unbedingt auf einen Garagenstellplatz angewiesen. Die jeweils 10 Kilogramm schweren Batterien lassen sich problemlos in einer Etagenwohnung an der Haushaltssteckdose laden.

– ADAC, ADAC Elektroroller-Neuheiten 2025

Diese Flexibilität ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber einem Verbrenner-Roller, den man nirgendwo abstellen kann, um ihn zu betanken. Die „Tankstelle“ ist immer dort, wo Sie sind. Sie müssen nur bereit sein, die „Zapfsäule“ in die Wohnung zu tragen.

Kein Ölwechsel, kein Riemen: Wie viel Wartungskosten sparen Sie beim E-Roller wirklich?

Eines der stärksten Verkaufsargumente für E-Roller ist der drastisch reduzierte Wartungsaufwand. Ein Verbrennungsmotor ist ein komplexes Gebilde aus hunderten beweglichen Teilen, die geschmiert, gekühlt und regelmäßig ausgetauscht werden müssen: Ölwechsel, Zündkerzen, Luftfilter, Keilriemen, Variomatik – die Liste der Verschleißteile ist lang und kostspielig. Ein Elektromotor hingegen besteht im Wesentlichen aus einem Rotor und einem Stator. Es gibt keine Flüssigkeiten, die gewechselt werden müssen, und kaum mechanischen Verschleiß.

Diese technische Simplizität schlägt sich direkt in den Wartungskosten nieder. Während bei einem Verbrenner jährliche oder kilometerabhängige Inspektionen mit entsprechenden Kosten unumgänglich sind, beschränkt sich die Wartung eines E-Rollers primär auf Bremsen, Reifen und die Beleuchtung. Das ist der Punkt, an dem der höhere Anschaffungspreis beginnt, sich zu amortisieren. Die „Komfort-Dividende“ besteht hier nicht nur aus gespartem Geld, sondern auch aus gesparter Zeit und dem Wegfall lästiger Werkstatttermine.

Geteilte Werkstattansicht mit E-Roller-Wartung links und Verbrenner-Service rechts

Die reinen Energiekosten untermauern diesen Vorteil. Während ein 50ccm-Verbrenner-Roller auf 100 km etwa 2,5 Liter Benzin verbraucht (bei 2,00 €/l sind das 5,00 €), benötigt ein E-Roller für die gleiche Strecke ca. 2-3 kWh Strom. Bei einem Strompreis von 0,30 €/kWh kostet die Fahrt nur etwa 0,75 €. Ein Kostenvergleich über fünf Jahre verdeutlicht die immense Ersparnis, wie eine Analyse von alpha-mobil zeigt.

Vergleich der Betriebskosten über 5 Jahre
Kostenposition Verbrenner-Roller E-Roller Ersparnis
Wartungskosten über 5 Jahre 1.200 € 520 € 680 €
Energiekosten pro 100 km 5,00 € 0,75 € 4,25 €
Jährliche Versicherung ca. 50 € ca. 50 € 0 €

Über einen Zeitraum von fünf Jahren ergibt sich allein bei der Wartung eine Ersparnis von fast 700 €. Rechnet man die Energiekosten hinzu, wird der finanzielle Vorteil signifikant und kann den höheren Kaufpreis je nach Fahrleistung vollständig kompensieren. Der einzige große Kostenfaktor, der beim E-Roller zusätzlich anfallen kann, ist ein eventueller Ersatz-Akku nach 5-8 Jahren, der je nach Modell mehrere hundert bis über tausend Euro kosten kann.

Lautloses Fahren: Warum Fußgänger Sie nicht hören und wie Sie Unfälle vermeiden?

Das nahezu lautlose Gleiten durch die Stadt ist eine der größten Freuden des E-Roller-Fahrens. Kein Knattern, keine Vibrationen – eine völlig neue Form der urbanen Fortbewegung. Diese Stille ist eine enorme „Komfort-Dividende“, die den Stresspegel senkt und das Fahrerlebnis intensiviert. Doch genau diese Eigenschaft birgt auch eine erhebliche, oft unterschätzte Gefahr: Andere Verkehrsteilnehmer hören Sie nicht kommen.

Insbesondere Fußgänger, die sich seit Jahrzehnten daran gewöhnt haben, herannahende Fahrzeuge akustisch wahrzunehmen, sind gefährdet. Ein kurzer Blick auf das Smartphone, ein unachtsamer Schritt vom Bordstein – Situationen, die mit einem lauten Verbrenner glimpflich ausgehen, können mit einem leisen E-Roller schnell zu brenzligen Momenten führen. Das Problem wird durch die Tatsache verschärft, dass E-Roller bis 45 km/h anders als E-Autos gesetzlich kein Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) benötigen, also kein künstliches Fahrgeräusch erzeugen müssen.

Als Fahrer eines E-Rollers tragen Sie daher eine erhöhte Verantwortung. Es gilt, die fehlende akustische Präsenz durch eine umso höhere visuelle Präsenz und eine defensive Fahrweise auszugleichen. Antizipatorisches Fahren ist hier kein Bonus, sondern eine Überlebensnotwendigkeit. Sie müssen für alle anderen mitdenken und jederzeit bereit sein, auf unerwartete Aktionen zu reagieren.

Um die Sicherheit zu maximieren, haben sich folgende Verhaltensweisen und Techniken bewährt:

  • Vorausschauend fahren: Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit in unübersichtlichen Bereichen, an Kreuzungen und in verkehrsberuhigten Zonen deutlich.
  • Blickkontakt suchen: Versuchen Sie aktiv, den Blickkontakt mit Fußgängern und Autofahrern herzustellen, bevor Sie deren Weg kreuzen. Ein Nicken oder Handzeichen schafft Klarheit.
  • Defensiv und bremsbereit sein: Gehen Sie immer davon aus, dass Sie nicht gesehen oder gehört werden. Positionieren Sie Ihre Finger stets an den Bremshebeln.
  • Sichtbarkeit erhöhen: Tragen Sie immer einen Helm (vorzugsweise in einer hellen Farbe) und helle oder reflektierende Kleidung, besonders bei Dämmerung und in der Nacht.

Fahrtenbuch oder pauschal: Wie weisen Sie dem Finanzamt die Nutzung des Motorrads nach?

Wenn der E-Roller nicht privat, sondern als Firmenfahrzeug genutzt wird, öffnet sich ein neues Kapitel: die steuerliche Behandlung. Für Selbstständige oder Arbeitnehmer, die einen Roller vom Arbeitgeber gestellt bekommen, ist die korrekte Versteuerung des geldwerten Vorteils für die Privatnutzung entscheidend. Hier bietet der Gesetzgeber in Deutschland grundsätzlich zwei Methoden an: die 1%-Regelung (Pauschale) oder das Führen eines Fahrtenbuchs.

Die 1%-Regelung ist die einfachere Variante. Monatlich wird 1% des Bruttolistenpreises des Rollers zum Zeitpunkt der Erstzulassung als geldwerter Vorteil dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Bei E-Fahrzeugen gibt es hier jedoch erhebliche Steuervorteile: Aktuell muss nur ein Viertel des Bruttolistenpreises angesetzt werden (die sogenannte 0,25%-Regel). Das macht die pauschale Versteuerung äußerst attraktiv. Wie ein Steuerberater vorrechnet:

Die 1%-Regel bei einem E-Roller mit 5.000 € Bruttolistenpreis bedeutet monatlich 50 € als geldwerten Vorteil zu versteuern

– Steuerberater München, Praxistipp Elektromobilität 2024

Bei Anwendung der 0,25%-Regel wären es sogar nur 12,50 € (5.000 € / 4 * 1%). Diese Methode lohnt sich vor allem bei einem hohen Privatanteil der Fahrten, da sie keinen weiteren Nachweis erfordert.

Das Fahrtenbuch ist die aufwändigere, aber potenziell günstigere Alternative. Hier müssen alle Fahrten lückenlos dokumentiert werden: Datum, Kilometerstand, Ziel, Zweck der Reise (betrieblich/privat). Am Jahresende werden die tatsächlichen Gesamtkosten des Rollers (Abschreibung, Versicherung, Strom, Wartung) ermittelt und exakt im Verhältnis der betrieblichen zu den privaten Kilometern aufgeteilt. Diese Methode lohnt sich immer dann, wenn der private Nutzungsanteil sehr gering ist oder der Roller einen sehr hohen Bruttolistenpreis hat. Moderne, vom Finanzamt anerkannte Apps können hier den Aufwand durch GPS-Tracking erheblich reduzieren.

Busspur und Parken: Welche Sonderrechte haben E-Motorräder im Stadtverkehr aktuell?

Die Vorstellung, an verstopften Autoschlangen auf einer leeren Busspur vorbeizuziehen, ist verlockend. Viele assoziieren mit dem „E“ auf dem Kennzeichen automatisch eine Reihe von Sonderrechten. Doch hier ist Vorsicht geboten, denn die Realität ist komplizierter und von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Die Annahme, E-Roller dürften generell Busspuren nutzen, ist ein gefährlicher und teurer Irrtum.

Grundsätzlich gilt: Busspuren sind Bussen und Taxen vorbehalten. Eine Freigabe für andere Verkehrsteilnehmer, wie E-Fahrzeuge, ist eine lokale Ausnahmeentscheidung und muss explizit beschildert sein. Bisher haben in Deutschland nur vereinzelte Städte wie Hamburg oder Düsseldorf bestimmte Strecken für E-Zweiräder freigegeben. Ohne die entsprechende Beschilderung ist die Nutzung illegal und wird mit einem Bußgeld geahndet. Ein ADAC-Rechtsexperte warnt eindringlich:

Die Annahme, dass alle E-Fahrzeuge automatisch die Busspur nutzen dürfen, ist ein gefährlicher Irrtum. Es bedarf immer der expliziten Beschilderung mit Zusatzzeichen 1010-66

– ADAC Rechtsexperte, ADAC Ratgeber Verkehrsrecht 2024

Dieses Zusatzzeichen zeigt ein Auto mit Stecker. Fehlt es, ist die Busspur tabu. Ähnlich verhält es sich beim Parken. E-Roller und E-Motorräder gelten als Kraftfahrzeuge und müssen auf regulären Motorrad- oder PKW-Parkplätzen abgestellt werden – nicht auf dem Gehweg, es sei denn, ein Zusatzschild erlaubt es explizit. Der einzige wirkliche Vorteil ist, dass viele Kommunen für E-Fahrzeuge das kostenlose Parken auf bewirtschafteten Parkflächen erlauben. Auch hier gilt: Auf die lokale Beschilderung achten! Die vermeintlichen Sonderrechte sind also eher eine Sammlung lokaler Ausnahmeregelungen als ein bundesweiter Freifahrtschein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wahl zwischen E-Roller und Verbrenner ist eine Lifestyle-Entscheidung, bei der Komfort und Zeitersparnis oft mehr wiegen als reine Kosten.
  • E-Roller punkten mit extrem niedrigen Wartungs- und Energiekosten, die den höheren Kaufpreis langfristig amortisieren können.
  • Praktische Nachteile wie die reduzierte Reichweite im Winter und das umständliche Laden des Akkus in einer Mietwohnung müssen unbedingt einkalkuliert werden.

Deutschlandticket vs. 125er: Was ist für den täglichen Weg zur Uni wirklich billiger?

Für viele Studenten und junge Stadtbewohner stellt sich eine ganz neue Mobilitätsfrage: Lohnt sich ein eigener Roller überhaupt noch im Zeitalter des 49-Euro-Deutschlandtickets? Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar. Für 49 € im Monat deutschlandweit den öffentlichen Nahverkehr nutzen zu können, ist ein unschlagbar günstiges Angebot. Einem E-Roller stehen hier Anschaffungskosten von 2.000 bis 4.000 € gegenüber, plus laufende Kosten für Versicherung und Strom.

Doch der reine Kostenvergleich ist nur die halbe Wahrheit. Die entscheidende Währung im urbanen Alltag ist oft nicht der Euro, sondern die Zeit und die Flexibilität. Der ÖPNV ist an Fahrpläne, Haltestellen und oft auch an Verspätungen und Ausfälle gebunden. Ein Roller bietet dagegen absolute Unabhängigkeit und Tür-zu-Tür-Mobilität, 24 Stunden am Tag. Die Frage ist also: Wie viel ist Ihnen diese gewonnene Zeit und Freiheit wert?

Kosten- und Nutzenvergleich: Deutschlandticket vs. E-Roller
Kriterium Deutschlandticket 125er E-Roller
Monatliche Kosten 49 € ca. 30 € (Strom + Versicherung)
Anschaffung 0 € 2.000-4.000 €
Flexibilität Fahrplangebunden 24/7 verfügbar
Reichweite Deutschlandweit ÖPNV 50-100 km pro Ladung
Wetterabhängigkeit Geschützt Wetterexponiert

Der wahre Wert des Rollers zeigt sich oft erst im konkreten Anwendungsfall. Wer einen einfachen Weg zur Uni hat, der von einer einzigen U-Bahn-Linie ohne Umsteigen bedient wird, ist mit dem Deutschlandticket bestens beraten. Wer jedoch eine ungünstige Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen hat, kann mit einem Roller enorm viel Lebenszeit sparen.

Fallbeispiel: Pendler in Berlin

Ein Student, der von Berlin-Neukölln zur Freien Universität in Dahlem pendelt, benötigt mit dem ÖPNV inklusive Fußwegen und Umsteigen etwa 70 Minuten. Mit dem E-Roller schafft er die gleiche Strecke in nur 25 Minuten. Wie eine Beispielrechnung von Unu Motors nahelegt, ergibt dies eine tägliche Zeitersparnis von 90 Minuten (Hin- und Rückweg). An 200 Uni-Tagen im Jahr summiert sich das auf 300 Stunden – oder 12,5 volle Tage – die er nicht in Bussen und Bahnen verbringt. Diese „Komfort-Dividende“ in Form von gewonnener Freizeit oder Lernzeit ist für viele unbezahlbar.

Letztendlich ist es eine persönliche Abwägung: Ist mir der garantierte Wetterschutz und der unschlagbar niedrige Preis des Deutschlandtickets wichtiger, oder schätze ich die immense Zeitersparnis und die unübertroffene Flexibilität eines eigenen Rollers höher ein? Der Roller ist eine Investition in die Unabhängigkeit und die eigene Zeit.

Diese Gegenüberstellung ist der Kern der modernen urbanen Mobilitätsentscheidung. Um die richtige Wahl zu treffen, sollten Sie Ihren persönlichen Bedarf an Flexibilität und Zeitersparnis realistisch bewerten.

Häufige Fragen zum Thema E-Roller und Finanzen

Ist die THG-Prämie für Privatpersonen steuerfrei?

Ja, für Privatpersonen, die eine THG-Prämie für ein berechtigtes Fahrzeug (z.B. ein E-Auto oder ein zulassungspflichtiges E-Motorrad) erhalten, ist diese Einnahme komplett steuerfrei. Bei Firmenfahrzeugen hingegen gilt die Prämie als Betriebseinnahme und muss versteuert werden.

Kann ich Stromkosten für den E-Roller von der Steuer absetzen?

Ja, wenn der E-Roller betrieblich genutzt wird, können die nachweisbaren Stromkosten als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Dies erfordert in der Regel eine genaue Dokumentation, beispielsweise über einen separaten Stromzähler oder eine plausible Schätzung, die vom Finanzamt akzeptiert wird.

Welche Apps eignen sich für digitale Fahrtenbücher?

Vom Finanzamt werden in der Regel nur solche Apps anerkannt, die eine manipulationssichere Aufzeichnung gewährleisten. Wichtige Merkmale sind die automatische Erfassung von Start- und Zieladressen via GPS und eine nachträglich nicht veränderbare Speicherung der Einträge. Bekannte Anbieter sind zum Beispiel Vimcar oder Lexware. Es ist ratsam, vorab die Anerkennung durch das Finanzamt zu prüfen.

Geschrieben von Sarah Klein, Mobilitätsberaterin mit Fokus auf Urbane Mobilität, E-Roller und Pendler-Strategien. Expertin für intermodale Verkehrskonzepte und Elektromobilität auf zwei Rädern.