
Zusammenfassend:
- Die gesetzliche Gewährleistung bleibt bei fachgerechter Eigenwartung bestehen; die Herstellergarantie kann an Händler gebunden sein.
- Eine lückenlose und digitale Dokumentation Ihrer Arbeit ist entscheidend für den Werterhalt und bei Garantieansprüchen.
- Die Nutzung eines Drehmomentschlüssels ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für die Sicherheit und den Erhalt der Bauteile.
- Bereits ein Werkzeugkoffer für unter 100 € deckt die meisten Wartungsarbeiten für den ambitionierten Hobbyschrauber ab.
Die Freude, das eigene Fahrrad zu hegen und zu pflegen, ist für viele Hobbyschrauber unbezahlbar. Das Gefühl, jede Schraube zu kennen und mit den eigenen Händen für optimale Funktion und Sicherheit zu sorgen, schafft eine besondere Verbindung zur Maschine. Doch schnell mischt sich in diesen Enthusiasmus eine nagende Unsicherheit: Was ist, wenn ich durch meine Arbeit die teuer bezahlte Garantie verliere? Darf ich den Ölwechsel überhaupt selbst machen? Und wie beweise ich beim Wiederverkauf, dass die Wartung nicht nur stattgefunden hat, sondern auch professionell durchgeführt wurde?
Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf simple Checklisten zum Reifendruck und zur Kettenschmierung. Doch diese oberflächlichen Tipps kratzen nur an der Oberfläche und lassen die entscheidenden rechtlichen und technischen Fragen unbeantwortet. Sie adressieren nicht die Kernsorge des ambitionierten Schraubers: die Angst, durch Unwissenheit einen teuren Fehler zu machen, der den Wert des Rades mindert oder im Garantiefall zu Problemen führt.
Doch was, wenn der Schlüssel zu wahrer Souveränität in der eigenen Werkstatt nicht nur im richtigen Werkzeug, sondern im richtigen Wissen liegt? Dieser Artikel vertritt die These: Eine professionelle Fahrradwartung in der eigenen Garage ist mehr als nur Schrauberei; es ist ein Akt der präzisen Dokumentation und des cleveren Rechtsverständnisses. Es geht darum, den Wert Ihres Fahrrads bewusst zu sichern und die Garantie zu schützen, ohne auf teure Werkstattrechnungen angewiesen zu sein.
Wir führen Sie systematisch durch die entscheidenden Aspekte der Eigenwartung. Sie lernen, welche Werkzeuge wirklich essenziell sind, wie Sie Ihre Arbeit rechtssicher dokumentieren, welche Prüfungen unerlässlich sind und wo die rechtlichen Grenzen zwischen gesetzlicher Gewährleistung und freiwilliger Herstellergarantie verlaufen. So werden Sie vom Hobbyschrauber zum souveränen Manager Ihres eigenen Fahrrads.
Dieser Leitfaden ist Ihr Weg zu mehr Unabhängigkeit und Sicherheit bei der Fahrradwartung. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die Themen, die wir detailliert behandeln werden.
Sommaire : Ihr Wegweiser zur garantiekonformen Fahrrad-Eigenwartung
- Der 100 € Werkzeugkoffer: Welches Werkzeug reicht für 90% der Wartungsarbeiten wirklich aus?
- Ölwechsel zuhause: Wo können Sie das Altöl legal und kostenlos abgeben?
- Wartung ohne Stempel: Wie dokumentieren Sie Ihre Arbeit glaubhaft für den Wiederverkauf?
- Die „Wolke“-Regel: Welche 5 Punkte müssen Sie vor jeder Fahrt zwingend prüfen?
- Vibrationen lösen Schrauben: Welche Verbindungen müssen Sie regelmäßig mit dem Drehmomentschlüssel prüfen?
- Inspektion nach Herstellervorgabe: Dürfen Sie während der Garantiezeit zur freien Werkstatt?
- Wann Sie Ihren Helm nach einem Sturz zwingend austauschen müssen?
- Start in die Saison: Welche 5 Checks verhindern eine Panne bei der ersten Ausfahrt?
Der 100 € Werkzeugkoffer: Welches Werkzeug reicht für 90% der Wartungsarbeiten wirklich aus?
Als Kfz-Innungsmeister sehe ich oft, dass Hobbyschrauber entweder mit unzureichendem Werkzeug improvisieren oder unnötig Geld für riesige Profi-Sets ausgeben. Die Wahrheit liegt in der Mitte: Der Mythos vom sündhaft teuren Werkzeug ist hartnäckig, aber falsch. Für den Großteil der regelmäßigen Wartungsarbeiten ist ein gut sortierter Werkzeugkoffer im Preissegment um 100 Euro absolut ausreichend und eine sinnvolle Investition in den Werterhalt Ihres Fahrrads.
Die Basis für fast alle Arbeiten bildet ein hochwertiges Inbusschlüssel-Set, idealerweise mit Kugelkopf für schwer zugängliche Schrauben. Ergänzt wird dies durch Reifenheber, Flickzeug und eine solide Luftpumpe. Ein Koffer der 100-Euro-Klasse erweitert dieses Fundament um entscheidende Spezialwerkzeuge: Ein Kettennieter zum Tauschen der Kette, ein Kassettenabzieher und vor allem ein Drehmomentschlüssel sind unverzichtbar für die Präzisions-Wartung. Letzterer verhindert, dass Sie empfindliche Carbon-Teile zerstören oder sicherheitsrelevante Schrauben zu locker anziehen. Für E-Bike-Besitzer kommen oft noch spezifische Torx-Schlüssel und ein Kurbelabzieher für den jeweiligen Motortyp hinzu.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über bewährte Einsteiger-Modelle, die ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und von Testmagazinen positiv bewertet wurden.
| Modell | Preis (ca.) | Anzahl Werkzeuge | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Decathlon Fahrrad-Werkzeugkoffer 900 | 75 € | 40 Teile | Gut für Einsteiger |
| Rose All2gether Pro 2 | 43 € | 25 Teile | Preis-Leistungs-Sieger |
| Procraft Starter | 84 € | 25 Teile | Kompakt und vielseitig |
Denken Sie daran: Qualität vor Quantität. Ein Set mit weniger, aber dafür hochwertigeren Werkzeugen ist oft die bessere Wahl als ein Koffer voller billiger Instrumente, die schnell verschleißen und Schraubenköpfe beschädigen können.
Ölwechsel zuhause: Wo können Sie das Altöl legal und kostenlos abgeben?
Ein regelmäßiger Wechsel des Kettenöls oder der Bremsflüssigkeit gehört zur grundlegenden Fahrradpflege. Doch wohin mit den ölverschmierten Lappen und dem Altöl? Die unsachgemäße Entsorgung im Hausmüll oder gar im Abfluss ist nicht nur umweltschädlich, sondern in Deutschland auch streng verboten und kann hohe Bußgelder nach sich ziehen. Eine professionelle Herangehensweise an die Wartung endet nicht beim Anziehen der letzten Schraube, sondern bei der korrekten Entsorgung der Abfallstoffe.
Umweltgerechtes Arbeiten in der eigenen Garage ist einfacher als gedacht. Eine Ölbindematte oder eine alte Plane schützt den Boden vor Verschmutzungen. Verwenden Sie zum Auffangen von Flüssigkeiten eine spezielle Ölauffangwanne. Der entscheidende Punkt ist jedoch die Entsorgung. Die deutsche Gesetzgebung bietet hier eine verbraucherfreundliche Lösung: Händler, die Frischöl (Motoröl, Getriebeöl etc.) verkaufen, sind gesetzlich dazu verpflichtet, die gleiche Menge Altöl kostenlos zurückzunehmen. Heben Sie daher immer den Kaufbeleg auf!

Eine noch praktischere Alternative sind die kommunalen Wertstoff- oder Recyclinghöfe. Laut aktuellen Richtlinien der Wertstoffhöfe können Sie dort in der Regel haushaltsübliche Mengen von 5-20 Litern kostenlos abgeben. Dies gilt oft auch für ölhaltige Betriebsmittel wie Lappen, Filter oder leere Ölbehälter. Informieren Sie sich vorab auf der Webseite Ihrer Stadt oder Gemeinde über die genauen Annahmebedingungen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Wartungsarbeiten nicht nur technisch, sondern auch ökologisch einwandfrei sind.
Dieser verantwortungsbewusste Umgang mit Betriebsstoffen ist nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch ein Teil der lückenlosen Dokumentation, die den Wert Ihres Fahrrads bei einem späteren Verkauf untermauert.
Wartung ohne Stempel: Wie dokumentieren Sie Ihre Arbeit glaubhaft für den Wiederverkauf?
Ein lückenlos gestempeltes Serviceheft ist bei Autos ein wertsteigerndes Argument. Beim Fahrrad fehlt dieses oft, insbesondere wenn die Wartung in Eigenregie erfolgt. Doch gerade hier liegt eine riesige Chance, sich von anderen Verkäufern abzuheben. Ein potenzieller Käufer kann nicht in den Rahmen oder Motor schauen – er muss auf Ihre Angaben vertrauen. Ein sorgfältig geführtes, glaubhaftes Wartungsprotokoll ist der beste Weg, dieses Vertrauen aufzubauen und einen höheren Wiederverkaufswert zu erzielen.
Vergessen Sie das einfache Notizbuch. Im digitalen Zeitalter gibt es weitaus professionellere Methoden. Spezielle Apps wie Spoked, ProBikeGarage oder BikeManager ermöglichen eine fälschungssichere Protokollierung. Sie können durchgeführte Arbeiten mit Datum, Kilometerstand, Fotos und sogar GPS-Daten festhalten. Einige E-Bike-Systeme, wie das PowUnity Maintenance Feature, erinnern sogar automatisch an fällige Inspektionen und erstellen professionelle Protokolle, die denen einer Fachwerkstatt in nichts nachstehen.
Diese digitale Dokumentation dient nicht nur dem Werterhalt. Im Garantiefall ist sie ein unschätzbar wertvoller Beweis dafür, dass Sie alle Arbeiten fachgerecht und nach Herstellervorgabe durchgeführt haben. Sie verlagern die Beweislast weg von Ihnen und hin zum Hersteller.
Ihr Fahrplan zum perfekten Wartungsprotokoll
- Eckdaten festhalten: Dokumentieren Sie bei jeder Wartung konsequent Datum und aktuellen Kilometerstand.
- Arbeiten beschreiben: Beschreiben Sie detailliert, welche Arbeiten Sie durchgeführt haben (z.B. „Bremsbeläge vorne und hinten erneuert“).
- Teile mit Beleg protokollieren: Notieren Sie verwendete Ersatzteile (z.B. „Shimano Bremsbeläge J04C“) und heften Sie den Kaufbeleg (digital oder in Papierform) ab.
- Drehmomente notieren: Halten Sie die angewendeten Drehmomente für sicherheitsrelevante Schrauben fest (z.B. „Bremssattelschrauben mit 6 Nm angezogen“).
- Visuell belegen: Fügen Sie Fotos von kritischen Arbeitsschritten oder ausgetauschten Teilen hinzu (Vorher/Nachher-Bilder).
Ein potenzieller Käufer, der ein solch detailliertes und transparentes Protokoll sieht, wird nicht nur bereit sein, mehr zu zahlen, sondern auch das Gefühl haben, ein ehrlich und liebevoll gepflegtes Rad zu erwerben.
Die „Wolke“-Regel: Welche 5 Punkte müssen Sie vor jeder Fahrt zwingend prüfen?
Sicherheit hat oberste Priorität. Eine schnelle, aber systematische Überprüfung vor jeder Fahrt kann Pannen verhindern und Leben retten. Während im englischsprachigen Raum der „ABC-Check“ (Air, Brakes, Chain) verbreitet ist, hat sich in Deutschland eine ebenso einfache wie geniale Eselsbrücke etabliert: die WOLKE-Regel. Dieser Fünf-Punkte-Check dauert weniger als eine Minute und sollte zur festen Routine eines jeden verantwortungsbewussten Radfahrers gehören.
Die Buchstaben von WOLKE stehen für die zu prüfenden Baugruppen:
- Wie Werfer (Schaltung): Funktioniert die Schaltung reibungslos? Ein kurzer Test der Gänge im Stand kann Probleme aufdecken.
- O wie Optik (Rahmen): Ein schneller visueller Check. Gibt es Risse am Rahmen oder an der Gabel? Sitzen die Laufräder fest in den Ausfallenden?
- L wie Licht und Lenker: Funktioniert die Beleuchtungsanlage? Ist der Lenker fest und gerade ausgerichtet?
- K wie Kette und Kurbel: Ist die Kette ausreichend geschmiert? Sitzen die Kurbelarme und Pedale fest?
- E wie Ende (Bremsen): Der wichtigste Punkt. Greifen die Bremsen kräftig? Haben die Bremshebel einen klaren Druckpunkt?

Für Besitzer von E-Bikes wird die Regel oft zu WOLKE+E erweitert. Das zusätzliche „E“ steht für die Elektronik. Hierbei prüfen Sie den festen Sitz des Akkus, die Funktion des Displays und kontrollieren die Kabel auf sichtbare Beschädigungen oder Scheuerstellen. Besonders im Winter bekommt der Check eine zusätzliche Dimension: Unter „O“ für Optik fällt dann auch die Prüfung auf Korrosion durch Streusalz, und bei „L“ für Licht ist die Funktion bei früher Dunkelheit überlebenswichtig.
Dieser simple Check ist keine lästige Pflicht, sondern ein Merkmal professioneller Fahrkultur. Er schärft den Blick für den Zustand des eigenen Rades und gibt die Sicherheit, die für unbeschwerten Fahrspaß notwendig ist.
Vibrationen lösen Schrauben: Welche Verbindungen müssen Sie regelmäßig mit dem Drehmomentschlüssel prüfen?
Ein Fahrrad ist permanent Vibrationen ausgesetzt – durch Straßenunebenheiten, Kopfsteinpflaster oder Trails im Wald. Diese ständigen Erschütterungen sind der natürliche Feind jeder Schraubverbindung. Mit der Zeit können sie dazu führen, dass sich selbst fest angezogene Schrauben lockern, oft unbemerkt und mit potenziell fatalen Folgen. Ein lockerer Vorbau oder ein gelöster Bremssattel kann zum sofortigen Kontrollverlust führen. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle sicherheitsrelevanter Schraubverbindungen mit einem Drehmomentschlüssel keine Option für Perfektionisten, sondern eine absolute Notwendigkeit.
Die Erfahrung aus der Werkstatt und Analysen zeigen, dass bestimmte Schrauben besonders gefährdet sind. Basierend auf typisch deutschen Fahrbedingungen mit Kopfsteinpflaster gehören die folgenden fünf zu den Top-Risikoschrauben: Vorbau, Sattelklemmung, Bremssattel, Pedale und Kettenblätter. Diese sollten Sie in regelmäßigen Abständen – je nach Fahrleistung alle paar hundert Kilometer – überprüfen. Das „Handfest“-Anziehen nach Gefühl ist hierbei grob fahrlässig. Nur ein Drehmomentschlüssel garantiert, dass die Schraube fest genug sitzt, um sich nicht zu lösen, aber nicht so fest, dass das Gewinde oder das Bauteil (insbesondere bei Carbon) beschädigt wird.
Die Hersteller geben für jede Schraubverbindung exakte Newtonmeter-Werte (Nm) vor, die meist direkt auf dem Bauteil aufgedruckt sind. Die folgende Tabelle zeigt exemplarische Richtwerte führender Hersteller.
| Komponente | Shimano | SRAM | Magura |
|---|---|---|---|
| Vorbauklemmung | 5-6 Nm | 5-7 Nm | – |
| Sattelklemmung | 18-20 Nm | 17-20 Nm | – |
| Bremssattel | 6-8 Nm | 8-10 Nm | 6 Nm |
| Carbon-Komponenten | 4-5 Nm* | 5 Nm* | – |
| *mit Carbon-Montagepaste | |||
Diese Präzisions-Wartung ist ein wesentlicher Bestandteil der fachgerechten Arbeit, die nicht nur Ihre Sicherheit gewährleistet, sondern auch Ihre Position im Falle eines Garantieanspruchs stärkt.
Inspektion nach Herstellervorgabe: Dürfen Sie während der Garantiezeit zur freien Werkstatt?
Dies ist die zentrale Rechtsfrage, die viele Hobbyschrauber umtreibt. Die Antwort ist ein klares „Es kommt darauf an“, und es ist entscheidend, den Unterschied zwischen zwei Begriffen zu verstehen: der gesetzlichen Gewährleistung und der freiwilligen Herstellergarantie. Diese Unterscheidung ist der Dreh- und Angelpunkt für Ihre Rechte als Verbraucher in Deutschland.
Die gesetzliche Gewährleistung (Sachmängelhaftung) beträgt zwei Jahre ab Kauf und sichert Sie gegen Mängel ab, die bereits beim Kauf vorhanden waren. Für diese gilt die freie Werkstattwahl. Solange Sie oder eine freie Werkstatt die Wartung „fachgerecht“ nach Herstellervorgaben durchführen, darf der Händler die Gewährleistung nicht verweigern. Die Betonung liegt auf „fachgerecht“ – und genau hier wird Ihre lückenlose Dokumentation zum entscheidenden Beweismittel.
Anders verhält es sich mit der freiwilligen Herstellergarantie. Dies ist eine zusätzliche Leistung des Herstellers (z.B. 10 Jahre Garantie auf den Rahmen), deren Bedingungen er frei gestalten kann. Hier kann er tatsächlich vorschreiben, dass alle Inspektionen bei einem autorisierten Vertragshändler durchgeführt werden müssen. Die Verbraucherzentrale Deutschland fasst diesen Sachverhalt klar zusammen:
Für die gesetzliche Gewährleistung gilt die freie Werkstattwahl, solange fachgerecht gearbeitet wird. Die freiwillige Herstellergarantie kann jedoch an Händlerbindung geknüpft sein.
– Verbraucherzentrale Deutschland, Rechtliche Grundlagen der Fahrrad-Gewährleistung
Ein typisches Szenario verdeutlicht die Rechtslage: Ein E-Bike-Motor fällt nach einer von Ihnen durchgeführten Inspektion aus. Der Hersteller lehnt die Gewährleistung ab. Dank einer EU-Richtlinie gilt hier in den ersten 12 Monaten die Beweislastumkehr: Der Hersteller muss Ihnen nachweisen, dass der Schaden durch Ihre unsachgemäße Wartung entstanden ist. Kann er das nicht, muss er den Schaden beheben. Ihr detailliertes Wartungsprotokoll mit Fotos und Drehmoment-Angaben ist hierbei Ihre stärkste Waffe.
Lesen Sie die Garantiebedingungen Ihres Fahrradherstellers genau durch. Oft sind die wirklich teuren Komponenten wie Motor oder Rahmen über eine Herstellergarantie abgedeckt, die eine Händlerbindung erfordert, während für den Rest des Rades die freie Wartung im Rahmen der Gewährleistung problemlos möglich ist.
Wann Sie Ihren Helm nach einem Sturz zwingend austauschen müssen?
Die Wartung des Fahrrads ist entscheidend für die aktive Sicherheit, doch die wichtigste Komponente der passiven Sicherheit sitzt auf Ihrem Kopf: der Fahrradhelm. Viele Radfahrer behandeln ihren Helm stiefmütterlich, doch er ist ein hochtechnologisches Schutzprodukt mit begrenzter Lebensdauer, das nach einem Aufprall seine wichtigste Eigenschaft verliert.
Ein Helm ist für einen einzigen, harten Aufprall konzipiert. Das Herzstück, die Schale aus EPS-Schaum (expandiertes Polystyrol), komprimiert sich beim Aufprall, um die Energie zu absorbieren und vom Kopf fernzuhalten. Diese Komprimierung ist dauerhaft. Selbst wenn der Helm äußerlich unbeschädigt aussieht, kann die innere Struktur durch unsichtbare Haarrisse geschwächt sein. Bei einem zweiten Sturz hat er dann kaum noch Schutzwirkung. Die Regel ist daher unmissverständlich: Nach jedem Sturz mit Kopfkontakt muss der Helm sofort ausgetauscht werden. Dies gilt auch, wenn der Helm nur aus über einem Meter Höhe auf einen harten Boden gefallen ist.
Aber auch ohne Sturz altert ein Helm. Aufgrund von UV-Strahlung und Schweiß-Einwirkung wird das Material mit der Zeit spröde. Experten und Hersteller empfehlen daher eine maximale Lebensdauer von 3 bis 5 Jahren. Achten Sie beim Kauf auf Qualitätsindikatoren wie das deutsche TÜV/GS-Zeichen und die Norm DIN EN 1078. Viele renommierte Hersteller wie Uvex, Abus oder Giro bieten zudem sogenannte „Crash-Replacement-Programme“ an, bei denen Sie nach einem Sturz einen neuen Helm mit 30-50% Rabatt erhalten – ein klares Indiz dafür, wie ernst die Hersteller den einmaligen Gebrauch nehmen.
Betrachten Sie Ihren Helm nicht als Accessoire, sondern als sicherheitsrelevantes Verschleißteil, genau wie Bremsbeläge oder Reifen. Die Investition in einen neuen Helm ist immer eine Investition in Ihre eigene Gesundheit.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechtssicherheit: Unterscheiden Sie strikt zwischen der gesetzlichen Gewährleistung (freie Wartung möglich) und der freiwilligen Herstellergarantie (kann Händlerbindung vorschreiben).
- Dokumentation ist alles: Führen Sie ein digitales Wartungsprotokoll mit Datum, km-Stand, Fotos und Drehmomenten. Es ist Ihr bester Beweis für fachgerechte Arbeit und sichert den Werterhalt.
- Präzision statt Gefühl: Ein Drehmomentschlüssel ist für sicherheitsrelevante Schrauben (Vorbau, Bremsen) unverzichtbar. Kontrollieren Sie diese regelmäßig.
Start in die Saison: Welche 5 Checks verhindern eine Panne bei der ersten Ausfahrt?
Endlich, die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – der perfekte Moment, um das Fahrrad aus dem Keller zu holen. Doch der Winterschlaf kann Spuren hinterlassen haben. Nach der klassischen „Von O bis O“ Winterpause (Oktober bis Ostern) im oft feuchten deutschen Keller zeigen sich häufig Flugrost an der Kette, poröse Reifenflanken durch Standplatten und verharztes Fett in den Lagern. Ein gründlicher Check vor der ersten großen Tour ist daher essenziell, um Pannen zu vermeiden und die Saison sicher zu beginnen.
Die folgende Checkliste fasst die fünf wichtigsten Schritte zusammen, um Ihr Fahrrad aus dem Winterschlaf zu wecken und für die erste Ausfahrt fit zu machen.
- Reifen-Inspektion: Prüfen Sie die Reifenflanken sorgfältig auf Risse. Entfernen Sie eventuell eingefahrene kleine Glassplitter aus dem Profil. Der wichtigste Schritt: Kontrollieren Sie den Luftdruck und pumpen Sie die Reifen auf den auf der Flanke angegebenen Maximaldruck auf.
- Akku „aufwecken“ (nur bei E-Bikes): Ein Akku sollte idealerweise bei einem Ladezustand von 30-60% überwintert haben. Laden Sie ihn vor der ersten Fahrt einmal vollständig auf, um die Zellen zu kalibrieren und die volle Reichweite sicherzustellen.
- Bremsbeläge anschleifen: Über den Winter kann sich auf den Bremsscheiben und -belägen ein „Winterschlaf-Belag“ aus Oxidation und Schmutz bilden. Führen Sie auf einer freien Fläche einige kräftige Bremsungen aus niedriger Geschwindigkeit durch, um diese Schicht zu entfernen und die volle Bremsleistung wiederherzustellen.
- Schaltung justieren: Bowdenzüge können sich über die Standzeit leicht längen. Führt dies zu einer unpräzisen Schaltung, ist eine schnelle Nachjustierung an den Einstellschrauben des Schaltwerks oft ausreichend.
- Kette reinigen und schmieren: Eine trockene, quietschende Kette ist nicht nur nervig, sondern führt auch zu erhöhtem Verschleiß. Reinigen Sie die Kette gründlich mit einem Lappen und Kettenreiniger und tragen Sie anschließend frisches Kettenöl auf.
Nachdem Sie diese grundlegenden Arbeiten mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt haben, sind Sie bestens gerüstet. Beginnen Sie die Saison mit einer kurzen, entspannten Testfahrt, um sicherzustellen, dass alles einwandfrei funktioniert, bevor Sie sich auf die erste große Tour des Jahres begeben.