Veröffentlicht am März 15, 2024

Die B196-Erweiterung ist ein schneller Weg aufs Zweirad, doch ihr wahrer Wert für Pendler zeigt sich erst nach einer ehrlichen Analyse der Folgekosten und Alltagsanforderungen.

  • Die Gesamtkosten übersteigen die anfängliche Investition durch Ausrüstung, Versicherung und Wartung oft um mehr als 1.000 € im ersten Jahr.
  • Die grösste Gefahr ist nicht der Verkehr, sondern die „Autofahrer-Automatik“ – eingeübte Verhaltensweisen, die auf dem Motorrad zu kritischen Fehlern führen.

Empfehlung: Prüfen Sie vor der Anmeldung zur Fahrschule, ob ein praktischer Roller oder ein agiles Schaltmoped besser zu Ihrem täglichen Pendelweg und Ihren Bedürfnissen passt.

Jeden Morgen das gleiche Bild in deutschen Grossstädten: zähfliessender Verkehr, endlose Parkplatzsuche und steigender Frustpegel. Die Idee, mit einem leichten 125er-Motorrad oder Roller elegant am Stau vorbeizuziehen, klingt da mehr als verlockend. Die Führerscheinerweiterung B196 scheint hierfür die perfekte Lösung zu sein: schnell, vergleichsweise günstig und ohne die gefürchteten Prüfungen. Man hört oft, es sei die „Abkürzung“ für Autofahrer aufs Zweirad.

Aber ist die Abkürzung wirklich immer der klügste Weg? Als erfahrener Fahrlehrer sehe ich täglich, wo die wirklichen Kosten- und Sicherheitsfallen lauern – und sie stehen selten auf dem Preisschild der Fahrschule. Die anfänglichen rund 800 Euro sind nur die Eintrittskarte. Der wahre Preis bemisst sich in Folgekosten, der richtigen Fahrzeugwahl und vor allem in der mentalen Umstellung vom Auto- zum Zweiradfahrer. Viele unterschätzen diesen Schritt und tappen in die sogenannte Kosten-Nutzen-Falle, bei der die kurzfristige Ersparnis langfristig zu Frust oder gar Gefahr führt.

Dieser Artikel ist daher keine blosse Aufzählung von Vorschriften. Er ist eine pragmatische Analyse aus der Praxis für die Praxis. Wir werden die Kosten ehrlich aufschlüsseln, die typischen Denkfehler von Autofahrern auf dem Zweirad beleuchten und Ihnen helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die sich nicht nur heute gut anfühlt, sondern sich auch in den nächsten fünf Jahren für Sie auszahlt.

Um Ihnen eine vollständige Übersicht zu geben, beleuchten wir alle entscheidenden Aspekte – von der reinen Kostenrechnung über die Tücken im Ausland bis hin zur sicheren Fahrzeugwahl. Die folgende Gliederung führt Sie durch alle wichtigen Stationen Ihrer Entscheidungsfindung.

B196 oder Klasse A: Welche Option spart Ihnen auf 5 Jahre gesehen mehr Geld?

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Die B196-Erweiterung ist deutlich günstiger als der vollwertige A1- oder A2-Motorradführerschein. Während die Kosten für die B196-Erweiterung meist zwischen 900 und 1.200 Euro liegen, kann ein kompletter Motorradführerschein schnell 2.500 Euro und mehr verschlingen. Der Grund liegt auf der Hand: Für B196 fallen keine teuren Sonderfahrten und vor allem keine Prüfungsgebühren an. Doch diese Betrachtung ist kurzsichtig und ein klassisches Beispiel für den Trugschluss der Einmalinvestition.

Die entscheidende Frage ist nicht, was Sie heute sparen, sondern was Sie in Zukunft vielleicht draufzahlen. Die B196-Erweiterung ist eine nationale Insellösung und erlaubt keinen stufenweisen Aufstieg zu grösseren Motorradklassen. Wenn Sie also in zwei oder drei Jahren feststellen, dass Ihnen die 125 ccm nicht mehr reichen und Sie doch den A2-Führerschein machen möchten, fangen Sie finanziell wieder bei null an. Der A1-Führerschein hingegen ermöglicht nach zwei Jahren einen prüfungsfreien und damit sehr günstigen Aufstieg in die A2-Klasse. Ihre Anfangsinvestition war also zukunftssicher.

Um eine realistische 5-Jahres-Rechnung aufzustellen, müssen Sie daher Ihre Ambitionen ehrlich einschätzen. Sehen Sie das Zweirad rein als pragmatisches Pendlerfahrzeug für die Stadt oder könnten Sie sich vorstellen, auch längere Touren zu unternehmen? Die folgende Tabelle zeigt die direkten Ausbildungskosten im Vergleich.

Kostenvergleich B196 vs. A1 Führerschein
Kriterium B196 A1
Ausbildungskosten 600-1.000 € bis 3.000 €
Prüfungsgebühren 0 € (keine Prüfung) ca. 200 €
Zeitaufwand 4-6 Wochen 2-3 Monate
Aufstiegsmöglichkeit Nein Ja (A2 nach 2 Jahren)

Letztlich ist die B196-Option unschlagbar, wenn Sie sicher sind, dauerhaft bei der 125er-Klasse bleiben zu wollen. Sobald jedoch die Möglichkeit eines Upgrades im Raum steht, könnte sich der teurere A1-Schein über fünf Jahre als die klügere Investition erweisen.

Wie Sie die B196-Bescheinigung erhalten, ohne eine einzige Prüfung abzulegen?

Einer der grössten Anreize der B196-Regelung ist der Wegfall der oft als stressig empfundenen Führerscheinprüfungen. Der Gesetzgeber vertraut hier auf die Grunderfahrung von Autofahrern und setzt auf eine gezielte Fahrerschulung statt auf eine Prüfung. Um die Bescheinigung zu erhalten, müssen Sie lediglich drei formale Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein, seit mindestens fünf Jahren den Führerschein der Klasse B besitzen und die besagte Fahrerschulung absolvieren.

Diese Schulung ist das Herzstück der Erweiterung und gesetzlich genau definiert. Wie der ADAC bestätigt, ist weder eine theoretische noch eine praktische Prüfung erforderlich. Stattdessen müssen Sie eine Fahrerschulung mit mindestens neun Unterrichtseinheiten à 90 Minuten absolvieren. Diese teilt sich wie folgt auf:

  • Vier theoretische Einheiten: Hier geht es nicht um die allgemeinen Verkehrsregeln, die Sie bereits kennen, sondern um spezifische Themen für Zweiradfahrer. Dazu gehören die besondere Fahrdynamik, Blickführung, Gefahrenlehre aus der Perspektive eines Motorradfahrers und technische Grundlagen.
  • Fünf praktische Einheiten: Diese finden auf dem Übungsplatz und im realen Verkehr statt. Hier lernen Sie die grundlegende Bedienung des Fahrzeugs, Bremsübungen, Ausweichen und das sichere Fahren im Stadt- und Überlandverkehr unter Anleitung eines Fahrlehrers.

Die Schulung soll sicherstellen, dass Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Fahren eines Autos und dem Führen eines Zweirads nicht nur kennen, sondern auch praktisch beherrschen. Es geht darum, ein Gefühl für die Maschine zu entwickeln und die typischen Gefahrensituationen zu antizipieren.

Fahrlehrer erklärt Motorradtechnik an 125er während B196-Schulung

Nachdem Sie die komplette Schulung erfolgreich durchlaufen haben, stellt Ihnen die Fahrschule eine Teilnahmebescheinigung aus. Mit dieser Bescheinigung, einem biometrischen Passbild und Ihrem Personalausweis gehen Sie zur zuständigen Führerscheinstelle. Dort wird die Schlüsselzahl 196 in Ihren Führerschein eingetragen. Erst mit diesem Eintrag sind Sie berechtigt, Leichtkrafträder zu führen.

Der Prozess ist also bewusst niederschwellig gehalten, um erfahrenen Autofahrern den Umstieg zu erleichtern, ohne dabei die notwendige fahrerische Grundausbildung zu vernachlässigen.

Der Fehler, der B196-Fahrer im Österreich-Urlaub bis zu 2000 € kosten kann

Die B196-Erweiterung ist eine fantastische Möglichkeit, in Deutschland mobil zu sein. Doch genau hier lauert eine teure Falle, die viele Einsteiger übersehen: Die Berechtigung, ein 125er-Zweirad zu fahren, ist eine rein nationale Insellösung. Sobald Sie die deutsche Grenze überqueren, ist Ihr Führerschein für das Leichtkraftrad ungültig. Der Grund dafür ist, dass es sich bei B196 nicht um eine EU-weit anerkannte Führerscheinklasse wie A1 handelt, sondern nur um eine nationale Schlüsselzahl.

Viele denken, „das wird schon nicht so schlimm sein“, und planen eine kleine Tour ins benachbarte Österreich oder nach Italien. Doch das ist ein fataler Irrtum. Im Ausland fahren Sie in diesem Fall ohne gültige Fahrerlaubnis. Das ist keine einfache Ordnungswidrigkeit mehr, sondern in vielen Ländern eine handfeste Straftat. Die nationale Schlüsselzahl 196 wird im Ausland nicht akzeptiert, was zu drastischen Konsequenzen führen kann. Im Falle einer Kontrolle oder, noch schlimmer, eines Unfalls, stehen Sie ohne Versicherungsschutz da und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen.

Gerade unser Nachbarland Österreich, ein beliebtes Ziel für Motorradtouren, greift hier hart durch. Wer dort mit einem B196-Eintrag auf einer 125er erwischt wird, muss mit einer Anzeige und einem Bussgeld von bis zu 2.000 Euro rechnen. In Italien können die Strafen sogar noch höher ausfallen und das Fahrzeug kann beschlagnahmt werden. Die folgende Übersicht zeigt, was Ihnen in einigen unserer Nachbarländer droht.

Strafen für Fahren ohne Fahrerlaubnis in Nachbarländern
Land Rechtliche Einordnung Strafe
Österreich Straftatbestand bis 2.000 € + Anzeige
Schweiz Vergehen Geldstrafe + Freiheitsstrafe möglich
Frankreich Ordnungswidrigkeit 750 € Bussgeld
Italien Verwaltungsübertretung 5.000-30.000 € + Fahrzeugbeschlagnahme

Wenn Sie also auch nur die geringste Absicht haben, mit Ihrem Zweirad ins Ausland zu reisen, ist die B196-Erweiterung die falsche Wahl für Sie. In diesem Fall führt kein Weg am vollwertigen A1-Führerschein vorbei, denn nur dieser garantiert Ihnen europaweite Mobilität.

Roller oder Schaltmoped: Was sich besser für den B196-Einstieg im Stadtverkehr eignet

Die Entscheidung für die B196 ist gefallen, doch nun steht die nächste, ebenso wichtige Wahl an: Soll es ein praktischer Automatikroller oder ein sportliches Schaltmotorrad sein? Diese Frage ist mehr als eine Geschmacksfrage; sie entscheidet massgeblich über die Praxis-Rendite Ihrer Investition im Pendleralltag. Beide Konzepte haben klare Vor- und Nachteile, die Sie gegen Ihre persönlichen Bedürfnisse abwägen müssen.

Der Automatikroller ist der unangefochtene König der urbanen Pragmatik. Sein grösster Vorteil ist der Komfort: Kein Schalten, kein Kuppeln – einfach Gas geben und losfahren. Im Stop-and-Go-Verkehr der Innenstädte ist das ein unschätzbarer Vorteil. Hinzu kommt der meist üppige Stauraum unter der Sitzbank, in dem Helm, Einkauf oder Laptoptasche verschwinden. Ein weiterer Pluspunkt ist der bessere Wetterschutz durch die breite Verkleidung, die Beine und Füsse vor Spritzwasser und Wind schützt.

Das Schaltmotorrad hingegen punktet mit Fahrspass und Agilität. Durch die grösseren Räder liegt es stabiler auf der Strasse, besonders bei höheren Geschwindigkeiten oder auf unebenem Belag. Das manuelle Schalten ermöglicht eine aktivere Kontrolle über die Leistungsentfaltung und vermittelt ein intensiveres Fahrgefühl, was viele als „echtes Motorradfahren“ bezeichnen. Auf kurvigen Landstrassen am Wochenende spielt ein Motorrad wie die Honda CB125R seine Stärken voll aus, während ein Roller wie der Honda Forza 125 im Stadtverkehr praktischer ist. Für Pendler ist oft der Stauraum und Wetterschutz des Rollers das entscheidende Argument.

Splitscreen-Vergleich von Roller und Motorrad im deutschen Stadtverkehr

Die Wahl hängt also stark von Ihrem Fahrprofil ab. Fahren Sie ausschliesslich in der Stadt zur Arbeit und zum Einkaufen? Dann ist der Roller wahrscheinlich die vernünftigere Wahl. Suchen Sie neben dem praktischen Nutzen auch ein Hobby für Feierabend und Wochenende? Dann wird Ihnen das Schaltmotorrad mehr Freude bereiten. Bedenken Sie aber: Fahrspass bedeutet bei einem Motorrad auch, dass Sie für Stauraum in ein zusätzliches Topcase oder Gepäcktaschen investieren müssen.

Am besten machen Sie während Ihrer B196-Ausbildung eine Probefahrt auf beiden Fahrzeugtypen. Viele Fahrschulen bieten dies an und es ist die beste Möglichkeit, ein Gefühl dafür zu bekommen, welches Konzept Ihnen persönlich mehr liegt.

Warum Autofahrer auf dem Zweirad oft den „Schulterblick-Fehler“ begehen?

Viele Autofahrer, die auf ein Zweirad umsteigen, glauben, sie müssten das Fahren nicht neu lernen. Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Die physikalischen Gesetze sind völlig andere, und die über Jahre antrainierte „Autofahrer-Automatik“ wird zur grössten Gefahr. Im Auto sind Sie von einer schützenden Karosserie umgeben und verlassen sich auf ein System aus Spiegeln. Auf dem Motorrad sind Sie selbst die Knautschzone, und die Wahrnehmung der Umgebung muss viel aktiver erfolgen.

Der klassischste Fehler ist der nachlässige Schulterblick. Im Auto genügt oft ein kurzer Blick in den Aussenspiegel und ein flüchtiger über die Schulter. Auf dem Motorrad ist der tote Winkel jedoch deutlich grösser, und ein viel intensiverer, bewusster Kopf- und Schulterdreh ist überlebenswichtig, um ein Fahrzeug im Nachbarstreifen nicht zu übersehen. Ein weiterer kritischer Punkt ist die sogenannte „Target Fixation“: Autofahrer sind es gewohnt, auf ein Hindernis zu blicken und darauf zuzusteuern, um zu bremsen. Auf dem Motorrad führt das Starren auf das Hindernis fast unweigerlich dazu, dass man genau hineinfährt. Der Blick muss stattdessen aktiv auf den Fluchtweg gelenkt werden.

Die Annahme, dass jahrelange Erfahrung im Auto direkt auf das Motorrad übertragbar ist, wird von Fahrlehrern vehement zurückgewiesen. Die Denkweise muss sich komplett ändern.

Die theoretische Schulung ist spezifisch für Motorräder. Wer glaubt, das sei das Gleiche wie ein PKW oder ein Moped, der hat ein ganz anderes Problem. Keiner meiner Fahrschüler, der vorher Moped fuhr, konnte auf Anhieb Motorrad fahren.

– Fahrlehrer-Kommentar, Bussgeldkatalog.org Forum

Um diese typischen Fehler zu vermeiden und eine sichere Fahrweise zu entwickeln, ist es entscheidend, die alten Gewohnheiten bewusst abzulegen und neue zu trainieren. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Punkte zusammen, auf die Sie als Umsteiger besonders achten müssen.

Checkliste: Typische Autofahrer-Fehler auf dem Zweirad vermeiden

  1. Schulterblick intensivieren: Verstehen Sie, dass auf dem Motorrad der Weitwinkel des Autospiegels fehlt und der Kopf aktiver gedreht werden muss.
  2. „Target Fixation“ vermeiden: Trainieren Sie bewusst, nicht auf das Hindernis, sondern immer auf den freien Fluchtweg zu schauen.
  3. Vorderradbremse nutzen: Lernen Sie, dass ca. 70% der Bremsleistung vorne liegt – ein Konzept, das im Auto irrelevant ist, aber auf dem Motorrad entscheidend.
  4. Spurposition optimieren: Fahren Sie nicht mittig oder am Rand, sondern so, dass Sie für andere Verkehrsteilnehmer am besten sichtbar sind und nicht in toten Winkeln von LKW verschwinden.
  5. Fahrsicherheitstraining buchen: Absolvieren Sie nach den ersten Monaten einen Kurs (z.B. vom ADAC oder DVR), der speziell auf die Bedürfnisse von B196-Absolventen zugeschnitten ist.

Die B196-Schulung ist nur der Anfang. Wahre Sicherheit entsteht erst durch kontinuierliches Üben und die Bereitschaft, alte Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen.

Privat oder Händler: Wo kaufen Sie als Laie ohne technische Ahnung sicherer?

Der Führerschein ist in der Tasche, die Entscheidung für Roller oder Motorrad getroffen – jetzt geht es an den Kauf. Gerade für technische Laien stellt sich hier eine entscheidende Frage: Kaufe ich ein günstiges Gebrauchtfahrzeug von privat oder investiere ich etwas mehr und gehe zum Fachhändler? Aus Sicherheitsperspektive lautet die Antwort hier ganz klar: Der Weg zum Händler ist für Anfänger die deutlich sicherere Wahl.

Der Grund dafür liegt in einem einzigen, aber entscheidenden Wort: Sachmängelhaftung (oft auch Gewährleistung genannt). Ein gewerblicher Händler ist in Deutschland gesetzlich verpflichtet, Ihnen für ein Gebrauchtfahrzeug mindestens ein Jahr Gewährleistung zu geben. Das bedeutet: Stellt sich innerhalb dieses Jahres ein Mangel heraus, der bereits beim Kauf vorhanden war (was in den ersten 12 Monaten nach Kauf gesetzlich vermutet wird), muss der Händler für die Reparatur aufkommen. Für Sie als Käufer ist das ein unbezahlbares Sicherheitsnetz gegen versteckte Defekte.

Fallbeispiel: Die rechtlichen Unterschiede beim Motorradkauf

Ein Privatverkäufer kann die Sachmängelhaftung mit der Klausel „gekauft wie gesehen“ im Kaufvertrag komplett ausschliessen. Entdecken Sie nach dem Kauf einen Motorschaden oder ein defektes Getriebe, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Wie der ADAC in seinen Ratgebern hervorhebt, bietet der Händlerkauf trotz potenziell höherer Preise eine essenzielle Absicherung, die für technische Laien den Aufpreis mehr als rechtfertigt.

Ein Privatkauf kann zwar auf den ersten Blick mehrere hundert Euro günstiger sein, birgt aber das Risiko, zu einer Kostenfalle zu werden. Ohne technisches Fachwissen können Sie den Zustand von Verschleissteilen wie Kette, Bremsen, Reifen oder dem Fahrwerk kaum beurteilen. Wenn Sie dennoch ein verlockendes Privatangebot in Betracht ziehen, sollten Sie unbedingt auf einen unabhängigen Check bestehen. Ein professioneller Gebrauchtfahrzeug-Check durch eine Organisation wie den TÜV oder die DEKRA kostet oft nur 50-80 € und kann Sie vor einem teuren Fehlkauf bewahren. Wenn der Verkäufer einen solchen Check ablehnt, sollten bei Ihnen alle Alarmglocken schrillen.

Für den Einstieg und ein sorgenfreies erstes Jahr ist die Investition in ein vom Händler geprüftes Fahrzeug mit Gewährleistung fast immer die klügere Entscheidung.

Geld zurück vom Staat: Wie Sie mit Ihrem E-Leichtkraftrad jährlich bis zu 300 € THG-Prämie kassieren?

Wenn Sie sich im Rahmen der B196-Erweiterung für ein elektrisch angetriebenes Leichtkraftrad entscheiden, tun Sie nicht nur etwas für die Umwelt, sondern können auch Ihren Geldbeutel entlasten. Möglich macht das die sogenannte Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote). Dahinter verbirgt sich ein cleveres Instrument des Gesetzgebers: Mineralölkonzerne, die fossile Kraftstoffe verkaufen, müssen ihre CO₂-Emissionen ausgleichen. Das können sie tun, indem sie Zertifikate von Haltern von E-Fahrzeugen „kaufen“.

Hierbei gibt es oft ein Missverständnis: Die Prämie gilt nicht für kleine 45-km/h-E-Roller, da diese in der Regel nur ein Versicherungskennzeichen benötigen und nicht zulassungspflichtig sind. Anspruchsberechtigt sind Sie jedoch mit einem zulassungspflichtigen E-Leichtkraftrad oder E-Leichtkraftroller der 125er-Klasse. Für diese Fahrzeuge beträgt die THG-Prämie je nach Anbieter und Marktlage bis zu 300 € jährlich. Dieses Geld bekommen Sie quasi als Belohnung dafür, dass Sie emissionsfrei unterwegs sind.

Der Prozess, um die Prämie zu beantragen, ist erstaunlich einfach und dauert online nur wenige Minuten. Sie müssen Ihr eingespartes CO₂ nicht selbst verkaufen, sondern treten Ihre Ansprüche an einen spezialisierten Dienstleister ab, der alles für Sie bündelt und abwickelt. Die Vorgehensweise ist dabei immer ähnlich:

  1. Fahrzeugschein Teil I bereithalten: Sie benötigen eine Kopie oder ein Foto Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I.
  2. THG-Anbieter vergleichen: Es gibt zahlreiche Anbieter am Markt (z.B. Carbonify, Geld-fuer-eAuto.de, etc.). Ein kurzer Vergleich der aktuellen Prämien und Auszahlungsmodelle lohnt sich.
  3. Online-Antrag ausfüllen: Geben Sie Ihre Daten ein und laden Sie den Fahrzeugschein hoch.
  4. Auszahlung erhalten: Nach Prüfung durch das Umweltbundesamt überweist Ihnen der Anbieter die Prämie.

Das Beste daran: Sie können die THG-Prämie jedes Jahr aufs Neue beantragen, solange das Fahrzeug auf Sie zugelassen ist. Die Entscheidung für ein E-Leichtkraftrad kann sich also nicht nur durch geringere Betriebs- und Wartungskosten, sondern auch durch diese direkte jährliche Rückzahlung finanziell lohnen.

So wird die Elektromobilität auf zwei Rädern nicht nur zu einer sauberen, sondern auch zu einer wirtschaftlich attraktiven Alternative für Pendler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die B196-Erweiterung ist eine strategische Entscheidung, deren Wert sich an Ihren langfristigen Bedürfnissen bemisst, nicht nur an den Anfangskosten.
  • Die grössten Risiken für Umsteiger sind nicht die Verkehrslage, sondern die „Autofahrer-Automatik“ und die oft unterschätzten Folgekosten für Ausrüstung und Wartung.
  • Die Wahl zwischen praktischem Roller und sportlichem Motorrad sowie der Kauf beim Händler mit Gewährleistung sind entscheidend für die Alltagstauglichkeit und Kostensicherheit.

Motorradkauf für Anfänger: Wie Sie versteckte Kosten von über 1000 € vermeiden?

Sie haben die 800 € für die B196-Schulung und das Geld für das Zweirad eingeplant – doch damit ist es leider nicht getan. Viele Anfänger tappen in die Falle und übersehen die erheblichen versteckten Kosten, die gerade im ersten Jahr anfallen. Diese können sich schnell auf über 1.000 Euro summieren und das Budget sprengen. Die wichtigste und nicht verhandelbare Investition ist die persönliche Schutzausrüstung.

Ein guter Helm nach der aktuellen Prüfnorm ECE 22.06, eine abriebfeste Jacke mit Protektoren, Handschuhe und idealerweise auch Motorradschuhe sind absolute Pflicht. Hier zu sparen bedeutet, an der eigenen Gesundheit zu sparen. Allein für eine solide Grundausstattung müssen Sie mit 500 bis 800 Euro rechnen. Hinzu kommen die laufenden Kosten: Versicherung, Zulassungsgebühren und die erste, oft teure 1.000-Kilometer-Inspektion bei einem Neufahrzeug.

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen realistischen Überblick über das Budget, das Sie für Ihr erstes Jahr als B196-Fahrer zusätzlich zum Fahrzeugkauf einplanen sollten.

Erstes-Jahr-Budget für B196-Fahrer
Kostenposition Betrag
Helm (ECE 22.06) 150-400 €
Jacke mit Protektoren 200-500 €
Handschuhe 50-150 €
Zulassung/Kennzeichen 60-100 €
Versicherung (Jahresprämie) 200-400 €
Erste Inspektion (1000km) 150-250 €
Zubehör (Topcase, Schloss) 200-400 €

Ein weiterer oft vergessener Kostenpunkt ist die Überwinterung. Wenn Sie Ihr Fahrzeug nicht das ganze Jahr über nutzen, fallen Kosten für die Einlagerung an. Die Einlagerung beim Händler schlägt mit 150 bis 300 Euro zu Buche. Die Alternative, die Einlagerung zu Hause, erfordert eine Anfangsinvestition in Montageständer, ein Batterieladegerät und eine Abdeckplane von rund 150 Euro, die sich aber bereits im zweiten Winter amortisiert.

Eine ehrliche Budgetplanung ist der Schlüssel zu langanhaltendem Fahrspass. Bevor Sie sich für ein Fahrzeug entscheiden, sollten Sie sich daher diese unvermeidbaren Nebenkosten realistisch vor Augen führen.

Bevor Sie also die ca. 800 € für die Ausbildung investieren, investieren Sie eine Stunde in eine ehrliche Gesamtkostenanalyse. Das ist die beste Versicherung gegen teure Fehlentscheidungen und sorgt dafür, dass Ihr neues Hobby von Anfang an Freude bereitet.

Geschrieben von Dr. Thomas Weber, Fachanwalt für Verkehrsrecht und Versicherungsrecht mit über 15 Jahren Erfahrung in der Regulierung von Motorradunfällen und Bußgeldverfahren. Er berät Mandanten aktiv zu Führerscheinfragen (B196, A2), Haftungsrisiken und Auseinandersetzungen mit Versicherungen.